Meinung

TV-Experiment „Feinde“: Da wäre mehr drin gewesen

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„Gleichschaltung“? Bitte nicht dieser unsägliche nationalsozialistische Begriff. Zumal, wenn er so wenig passt wie in Bezug auf das TV-Experiment „Feinde“, das ARD, One und alle Dritten am Sonntag parallel zeigten. Mancher ist sich dennoch nicht zu blöd, ihnen „Gleichschaltung“ vorzuwerfen.

Hier betreibe „Staatsfernsehen“ auf Gebührenzahlerkosten Meinungsmache. Dabei wollten die Macher von „Feinde“ gerade das nicht. Indem die Geschichte aus zwei Perspektiven erzählt wurde, wollte man die Zuschauer ermuntern, sich selbst eine Meinung zu bilden.

Es stimmt, man hätte „Feinde“ auch einzig in der ARD und bei One senden können. Warum in allen Dritten? Weil man mit solch einem „Event“ in Event-losen Zeiten prächtig werben kann. Angesichts der Tatsache, dass es nur zwei Mal 90 Minuten dauerte und Sender wie ZDF, Arte und 3sat reichlich Alternativprogramm boten, wird der nach Unterhaltung Lechzende das verkraftet haben.

Was man kritisieren kann, ist die kreative Umsetzung. Wer beide Filme sah, dämmerte beim sich nur in Nuancen unterscheidenden 45-minütigen Gerichtsprozess weg. Mehr Spiel mit den Genres, mehr eingebaute Twists im Gerichtsteil – kurzum: Mehr Provokation in Hinblick auf den moralischen Konflikt wären einer Sendung auf allen Kanälen angemessen gewesen.

Potenzial verschenkt.

Katja.Kraft@ovb.net

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