CSU-Kummer in Berlin Von Tigern und Problembären CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

CSU-Kummer in Berlin. Von Tigern und Problembären .

CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

In der Politik ist es klug, nicht bei jeder neuen Umfrage röchelnd in Ohnmacht zu fallen. Selten sind die Prozente absolut wahr. Tendenzen lassen sich aber gut ablesen – so gut, dass sich die CSU wegen ihrer Berliner Werte Sorgen machen sollte. Die Bayern sind mit jedem der drei CSU-Minister unzufrieden. Dass 60 Prozent der CSU-Anhänger den Rücktritt von Verkehrsminister Scheuer befürworten würden, ist sogar schlicht desaströs.

Es sind mehrere Faktoren: teils diffuser GroKo-Frust, die von Scheuer geerbte und sehr schlecht weiterverwaltete Maut, Unruhe über Seehofers Kurven-Kurs in der Migration. Was aus bayerischer Sicht gut läuft – etwa wie Scheuer hunderte Millionen Euro in Investitionen in den Süden lenkt –, erkennen die Bürger nicht an. Das ist ein dickes Problem für den allzuständigen Parteichef Markus Söder. Das CSU-Selbstverständnis in Berlin ist, Leistungsträger und Kämpfer in die Koalition zu schicken – Tiger, nicht Problembären. Die Zeit ist arg knapp, um neue profilierte Minister aufzubauen. Trotzdem würde ein personeller Schnitt helfen; übrigens auch bei der CDU. Wer genau hinhört, merkt: Bei einigen CSU-Strategen wächst die Lust auf einen großen personellen Umbau und/oder einen Koalitionswechsel in der ersten Hälfte 2020.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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