CSU-Comeback und EU-Streit Was Corona schafft – und was nicht

CSU-Comeback und EU-Streit. Was Corona schafft – und was nicht .

GEORG ANASTASIADIS

Die Coronaseuche mag die ganze Welt auf den Kopf stellen und mit dem energischen Krisenmanager Markus Söder am Ende sogar den ersten CSU-Politiker ins Bundeskanzleramt tragen. Aber eines schafft nicht mal das Virus: dass sich die notorisch zerstrittenen Europäer mal rasch auf einen Kompromiss einigen, wie den von der Katastrophe besonders hart getroffenen Ländern zu helfen ist. Die Südländer wollen von ihren Coronabonds, sprich der Vergemeinschaftung nationaler Schulden, nicht lassen; und vor allem die Niederländer als unnachgiebigste Vertreter der Nordländer sind umgekehrt nicht bereit, bei der Auszahlung von Coronahilfen aus dem bestehenden Rettungsfonds ESM auf die sonst üblichen harten Auflagen zu verzichten.

Auch in der Stunde der größten Not finden die Europäer nicht zueinander. Das ist ein weiteres Alarmzeichen, wie schlecht es um die Union bestellt ist. Während China und Russland sich als noble Retter inszenieren, schaffen es die EU-Finanzminister nicht, sich in einem 16-stündigen Verhandlungsmarathon zu einigen. Das Virus infiziert Europa, treibt es auseinander in einem historischen Moment, da es mehr denn je auf Zusammenhalt ankommt.

Natürlich wird es zuletzt, vielleicht nächste Woche, eine Einigung geben. Natürlich wird Europa, auch ohne die Unfrieden stiftenden Coronabonds, unendlich viel mehr Hilfe leisten, als es andere mit plakativen Aktionen tun. Doch ist der bereits eingetretene Schaden, die weitere Entfremdung der Herzen, dann nicht mehr rückgängig zu machen.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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