Meinung

Coronavirus-Mutationen in Tirol: Nicht schon wieder die Fehler von Ischgl

-
+
-
  • Christian Deutschländer
    vonChristian Deutschländer
    schließen

Man interessiere sich nicht mehr für die „Rülpser aus Wien“, poltert Tirols politische Führung im Streit um mehr Corona-Schutz. Das soll selbstbewusst klingen, es ist aber nur ordinär – und kurzsichtig.

Tirol ist drauf und dran, das Ischgl-Desaster von 2020 sehenden Auges zu wiederholen. Infektionszahlen, diesmal mit der gefährlichen südafrikanischen Mutation, werden kleingeredet, Ausreisesperren verhindert und der Skibetrieb wird um jeden Preis am Laufen gehalten. Die tiefe Verfilzung von ÖVP und Fremdenverkehrsindustrie brachte Tirol lange Zeit große Gewinne im Tourismus ein. In der Pandemie führt sie direkt in interessengesteuerte Rücksichtslosigkeit – auf mittlere Sicht ein riesiger Standortnachteil.

Aktuelle Artikel zur Corona-Pandemie finden Sie auf unserer OVB-Themenseite.

Natürlich ist es emotional verständlich, dass sich das stolze Tirol aus Wien keine Abriegelung diktieren lassen mag. Die Bundesregierung hat aber Recht mit ihren Maßnahmen. Das zentrale Tiroler Tourismus-Interesse müsste eh sein, sich in und nach der Pandemie als sichere, nachhaltige Destination zu vermarkten – und Gesundheit über Profitmaximierung zu stellen.

Weitere Kommentare zu politischen und gesellschaftlichen Themen finden Sie hier.

Weil das in Tirol schon wieder nicht zu gelingen scheint, müssen natürlich parallel auch die Nachbarländer handeln. RKI und Berliner Regierung, die sich sonst im Warnen und Alarmieren fast überschlagen, müssen Tirol schnell als Mutationsgebiet ausweisen. Das schmerzt. Aber eine ungebremste Ausbreitung der Mutation wäre schlimmer.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

Mehr zum Thema

Kommentare