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Beschlossene Corona-Lockerungen: Ein „deutscher“ Perspektivplan

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  • Georg Anastasiadis
    vonGeorg Anastasiadis
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Kanzlerin und Länderchefs haben nach hartem Ringen einen sehr „deutschen“ Öffnungsfahrplan erarbeitet. Detailverliebt, bürokratisch – aber auch durchdrungen von dem Wunsch, Perspektiven aufzuzeigen und die in der Viruskrise auseinanderfallende Republik wieder mit sich zu versöhnen.

Das war wichtig, denn das sich ausbreitende Virus des Gegeneinanders, letztlich auch der schwindenden Akzeptanz der harten Maßnahmen, gefährdet die Erfolge im Kampf gegen die Pandemie ebenso wie die Vermehrungskunst des Coronavirus selbst.

Inzidenzgrenzen: Enttäuschung programmiert

Nicht alle Branchen und alle Landkreise sind gleichermaßen zufrieden mit dem Erreichten: Bürger und Ladeninhaber zum Beispiel, die in Gebieten mit Inzidenzen von knapp unter 50 liegen, haben Glück gehabt, andere Pech. Und wer die Marke bald wieder reißt – die Stadt München ist so ein Kandidat –, bei dem heißt es Kommando zurück.

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Da ist manche Enttäuschung programmiert. Die Kritik, Deutschland verwandle sich in einen Flickenteppich, ist ebenso absehbar wie das Gefühl, es gelte heute hü und morgen hott. Stimmt. Aber wer möglichst viel Einzelfallgerechtigkeit schaffen will, muss dafür zwangsläufig die klare Linie opfern. Das Risiko liegt auf der Hand, dass sich mancher Bürger durch die Kompliziertheit der Regelungen eingeladen fühlt, sie zu umgehen. Wie gut dieser Drahtseilakt gelingt, liegt an uns allen.

Die Coronakrise und ihre tabuisierten Aspekte

Auf die Kooperationsbereitschaft des Virus können wir leider nicht zählen, und der schleppende Fortschritt beim Impfen (wo Söder völlig zu Recht Druck macht und weniger Bürokratie verlangt) und Testen ist ein echter Stimmungskiller. Wichtig ist, dass wir lernfähig bleiben.

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Zu den bestürzenden, leider lange tabuisierten Aspekten dieser Pandemie gehört, dass Covid unter Menschen in migrantischen Milieus besonders heftig grassiert, ablesbar an den hohen Opferzahlen. Homeoffice gibt es in ihren Berufen meist nicht, oft auch kein deutsches Fernsehen. Das erschwert die Eindämmung der Seuche. Der Staat muss aufpassen, dass wir diese Bevölkerungsgruppen in unserem Regelungsdickicht nicht vollends verlieren.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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