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Coronavirus - neuer Lockdown: So kann es nicht weitergehen

GEORG ANASTASIADIS
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Jetzt also geschieht, was nach Aussagen von Politikern, Wirtschaftschefs und Bürgern nie hätte passieren dürfen: Deutschland begibt sich zum zweiten Mal in den Corona-Stillstand.

Einen „Lockdown light“ nennen es die Politiker, doch für Millionen Menschen, die um ihre berufliche Existenz kämpfen, klingt das wie Hohn. Ihr Leiden, manchmal auch ihr Sterben geht weiter, um das Leben anderer zu retten. Ein „Wellenbrecher-Lockdown“ soll es sein, doch solange kein ausgereifter Impfstoff zur Verfügung steht, kommt nach der zweiten Welle die dritte, die vierte, die fünfte, vielleicht noch jahrelang. Spanien und Italien scheitern gerade mit diesem Ansatz. Und dann? Die von der Politik verordnete Medizin hat so schwere Nebenwirkungen, dass ihre dauerhafte Gabe so katastrophal ist wie das Virus selbst. Auch verschobene Operationen, endlose Einsamkeit, geraubte Bildungschancen und verlorenes Lebensglück fordern Opfer.

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Zu Recht verlangen Wissenschaftler um den Virologen Hendrik Streeck deshalb eine neue Strategie, die die Ressourcen im Kampf gegen die Pandemie statt auf die Kontaktnachermittlung stärker auf den Schutz der Alten und Schwachen konzentriert. Und die differenziert, statt das ganze Land schockzugefrieren. Wir müssen mit dem Virus leben lernen: Das umfasst Schnelltests für Altenheim-Besucher ebenso wie den Ausbau von Nachbarschaftshilfen, getrennte (Sonn-)Tage zum Einkaufen nur für Senioren, Verzicht auf Partys für die Jungen, bevor sie Oma und Opa besuchen. Auch lohnt es, in erfolgreichere Länder zu blicken, die strikter, teils verpflichtend auf die Handy-Warn-App setzen. Das ist kein Freibrief für die aktive Generation. Auf ihre Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, kommt es an. Doch war der Versuch erfolglos, das mit einer Rhetorik der Angst zu erreichen. Auf eine „Gebotskultur“ statt auf Panik und Verbote setzen Streeck und Kollegen. Doch auch das gehört zur Ehrlichkeit: Am Ende müssen wir ertragen, dass Menschen an Corona sterben.

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So kann es nicht weitergehen, hat die Kanzlerin mit Blick auf die hohen Infektionszahlen gesagt. Leider gilt dasselbe auch für die Merkel-Söder-Lockdown-Politik.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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