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Bayerns Corona-Kurs: Klarer Blick und unruhige Hand

CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER
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CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER
  • Christian Deutschländer
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Fast alle Corona-Prognosen der Staatsregierung, zumindest ihres Chefs, haben sich erfüllt. Leider.

Statt Trost mit „Wird schon wieder“-Gehätschel zu spenden, hat Markus Söder die Infektionszahlen und ihre Folgen früh präzise gesehen und klarer benannt als alle anderen Regierungschefs. Was dazu aber nicht passt, ist die mitunter zittrige staatliche Regelsetzung. Da wird in einer Woche eine „Corona-Ampel“ vorgestellt, in der nächsten wird sie mit einer vierten Farbe ergänzt. Da wird eine Sperrstunden-Verordnung donnerstags beschlossen und sonntags verschärft. Da wird ein vertretbares Stufenkonzept für Schulen präsentiert, beim nächsten Treffen gelockert, jetzt komplett ungenutzt ins Altpapier gekippt.

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Andere Länder, etwa Österreich, haben schlimmere Wenden erlebt. Dennoch: Die Corona-Politik sollte solche Hektik-Momente vermeiden, wenn sie das Vertrauen der Bürger stabilisieren will. Im neunten Monat Pandemie braucht’s mehr Verlässlichkeit. Dazu gehört auch, dass Bayern gar nicht erst auf die Idee kommen sollte, an einem Eckpfeiler der Strategie zu rütteln: Die kostenlosen Corona-Tests für jeden sind ein bayerischer Sonderweg, aber ein richtiger. Wer Halskratzen hat oder einen kurzen Risikokontakt im Büro, würde bundesweit abgewimmelt werden, in Bayern kann er sich testen lassen. Das ist nicht Vergeudung, sondern spendet ein bisschen Sicherheit in einer Zeit, in der der Staat den Bürgern extrem viel abverlangt.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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