Die SPD in der Coronakrise An der Seitenlinie VON MIKE SCHIER

Die SPD in der Coronakrise. An der Seitenlinie .

VON MIKE SCHIER

In Krisenzeiten ist die Exekutive klar im Vorteil: Seit Wochen prägen die Ministerpräsidenten Laschet und Söder die Debatte, sogar die Bundeskanzlerin begibt sich wieder in die Niederungen der Innenpolitik. Es wäre auch die Chance für die SPD gewesen, der murrenden Basis zu beweisen, dass regieren gar nicht so schlecht und Opposition tatsächlich Mist ist, wie es Franz Müntefering so schön formuliert hat. Finanzminister Scholz und Arbeitsminister Heil haben es zumindest versucht. Vergeblich.

In den vergangenen Tagen sind die Genossen weniger als Krisenmanager aufgefallen, sondern eher als zerstrittener Haufen, der sich auf Nebenschauplätzen austobt. Erst sägte die Fraktion ihren Wehrbeauftragten Klaus-Peter Bartels ab, dann warf Johannes Kahrs wie ein beleidigter Schulbub seine ganze Politkarriere hin. Nebenbei debattiert man plötzlich über „nukleare Teilhabe“ und damit einen Grundpfeiler der Nato. Wieder einmal wirkt es so, als beschäftige sich die Partei eher mit dem internen Richtungsstreit als mit Fragen, die gerade alle umtreiben.

In der Corona-Ausnahmesituation rächt sich nun, dass sich die SPD-Basis für eine Spitze jenseits der GroKo entschieden hat. Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken müssen den Handelnden von der Seitenlinie aus zuschauen und sich auf – teils überflüssige – Einwürfe beschränken. Gerhard Schröder hat unlängst gefordert, die Partei müsse rasch die K-Frage klären. Problem: Es drängt sich keiner auf, am wenigsten die beiden Vorsitzenden.

Mike.Schier@ovb.net

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