Meinung

Die Corona-Warn-App muss besser werden: Was wir gelernt haben (sollten)

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  • Georg Anastasiadis
    vonGeorg Anastasiadis
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Menschen sind widersprüchliche Wesen, und für die Deutschen gilt das ganz besonders: Eine große Mehrheit plädiert in Umfragen für eine schärfere Corona-Warn-App – aber nur 16 Millionen Bürger haben die jetzige App auf ihrem Handy installiert, die aus Rücksicht auf den Datenschutz viel weniger kann, als möglich wäre.

Die Folge: Statt Übertragungswege digital aufzuspüren, wie es erfahrene asiatische Länder mit großem Erfolg tun, müssen unsere Gesundheitsämter Ansteckungsopfern telefonisch hinterherstolpern. Dieses Wettrennen aber gewinnt fast immer das Virus. Mit leider tödlichen Folgen.

Viel ist in diesen Tagen von Versäumnissen die Rede. Aber Deutschland verfügte zu Beginn des Jahres 2020 über keine Pandemieerfahrung, und im Nachhinein lässt sich gut rechten. Zweierlei sollten wir alle mit Blick auf die Zukunft dennoch gelernt haben. Wenn wir Corona beherrschen wollen, brauchen wir erstens einen besseren Schutz der vulnerablen Gruppen, die alleingelassen gerade schlimme Ängste durchleben und einen hohen Zoll an Menschenleben entrichten müssen. Und zweitens eine Digitalstrategie, die uns auf den Stand des technologisch und wissenschaftlich Möglichen und Nötigen bringt.

Leider gibt es von den Regierenden keine Signale, die auf ein Überdenken der Strategie hindeuten. Markus Söder sagt, die (einzige) Langfriststrategie laute impfen. Wirklich? Es fehlt der Mut, den Menschen zu sagen, dass das Recht der Handynutzer auf Datenschutz nicht schwerer wiegen darf als das Recht auf Leben und Arbeit. Und: Noch immer bürstet die Kanzlerin Forderungen nach umfassendem Schutz der Alten mit dem Vorwurf ab, wer das verlange, wolle gefährdete Menschen „wegsperren“.

Mit diesem Totschlagargument versucht sie sich gegen Kritik an versäumten Schutzmaßnahmen und generell der Lockdownpolitik zu immunisieren, die zeitweise Erfolge zu horrenden sozialen und wirtschaftlichen Kosten erkauft. Natürlich führt am aktuellen harten Lockdown kein Weg mehr vorbei, was Merkel vor vielen anderen erkannte. Aber wir brauchen für die Zukunft Alternativen zum Totalstillstand. Sonst lehrt uns spätestens der nächste, vielleicht noch gefährlichere Erreger wahrhaft das Fürchten.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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