Corona-Warn-App Mit schnellen Tests einen Versuch wert

Corona-Warn-App. Mit schnellen Tests einen Versuch wert .

WOLFGANG HAUSKRECHT

Der Bund plant eine Corona-Warn-App, die Teil der Exit-Strategie werden soll. Machen viele mit, so die Hoffnung, könnten die Beschränkungen früher fallen. Die Idee klingt erst einmal plausibel. Über die App können Infizierte via Smartphone schnell und einfach alle warnen, mit denen man gefährlich lange Kontakt hatte. Und wenn alle Betroffenen sich dann flugs in Isolation begeben, wird die Infektionskette wirksam unterbrochen. So weit die Theorie. Auf die Praxis darf man gespannt sein.

Frage Nummer eins ist, wie viele Deutsche sich die App wirklich aufs Handy laden. Forscher der Universität Oxford haben errechnet, dass etwa 60 Prozent der Bevölkerung mitmachen müssen, damit eine Eindämmung des Virus ohne Beschränkungen im Alltag möglich wäre. In Deutschland besitzen nur zwei von drei Menschen überhaupt ein Smartphone. Vor allem viele ältere Menschen scheuen die Geräte, mit denen sie nicht umzugehen wissen. Viele Bürger haben zudem Datenschutz-Bedenken.

Zweitens dürfte die Lust auf totale Isolation eher gering sein. Bisher kann man ja wenigstens zur Arbeit, einkaufen oder spazieren gehen. Zwei Wochen Quarantäne, ohne zu wissen, ob man ansteckend ist? Schon viel verlangt. Theoretisch kann die App einen auch mehrfach als gefährdete Kontaktperson ausmachen. Quarantäne nach der Quarantäne? Schwer vorstellbar. Der App droht also ein Akzeptanzproblem. Zu verhindern ist das nur, wenn Betroffene schnell und unbürokratisch einen Test bekommen – und (anders als bisher) auch das Ergebnis. Kann der Bund das leisten, ist die App einen Versuch wert.

Wolfgang.Hauskrecht@ovb.net