Corona: Wie viele Lockerungen gehen? Ohne Vertrauen geht es nicht

Corona: Wie viele Lockerungen gehen? Ohne Vertrauen geht es nicht .

GEORG ANASTASIADIS

Die Entbehrungen und Einschränkungen, die wir alle seit Wochen hinnehmen müssen, haben sich gelohnt: „Der Ausbruch ist beherrschbarer geworden“, sagt Jens Spahn. Jeder Infizierte steckt im Schnitt nur noch 0,7 weitere Menschen an. Das heißt: Das Virus ist in Deutschland endlich auf dem Rückzug. Das ist nicht in erster Linie der Erfolg des Gesundheitsministers, der Kanzlerin oder eines Ministerpräsidenten. Dieser Erfolg gehört den Bürgern. Sie haben sich in dieser Krise bemerkenswert diszipliniert verhalten, haben Verantwortung für sich selbst, ihre Lieben und damit auch alle anderen übernommen. Das von der Politik in Sonntagsreden stets hochgehaltene Leitbild des „mündigen Bürgers“ hat sich als richtig erwiesen.

Nur die Egoisten musste der Staat dazu bringen, sich so zu verhalten, dass sie für andere keine Gefahr darstellen. Politiker, die entschlossen handelten, wurden von den Bürgern zu Recht mit hohen Zustimmungswerten belohnt. Wer wie NRW-Chef Laschet hinterherstolperte, erwarb sich wenig Ansehen. Doch darf dies nicht zu dem Schluss verführen, dass die strengste Politik auch künftig automatisch die größte Unterstützung genießt. Mit jedem Tag sichtbarer werden die horrenden Kosten des Stillstands. Auch Ruheständler, die das Herunterfahren des Landes wirtschaftlich weniger trifft, lässt es nicht kalt, wenn ihre Kinder den Job verlieren. Die Politik sollte die hohe Bereitschaft der Menschen, aufeinander achtzugeben, vielmehr als Ermutigung verstehen und den Leuten einen kleinen Vertrauensvorschuss geben: Wo immer es Wege gibt, den Bürgern auf  verantwortungsvolle Weise Freiheiten zurückzugeben, sollten sie beschritten werden. Wer Golf oder Tennis spielen will, sollte das tun dürfen.

Der bisher auf Repression und Ertüchtigung der Kliniken gelegte Schwerpunkt staatlichen Handelns muss nun auf neue Konzepte verlagert werden, die weitere Lockerungen erlauben: Dazu gehören Massentests, um Ausbrüche früh zu erkennen und Infektionsketten zu durchbrechen, die Nutzung von Handy-Apps und der Einsatz von Mundschutz dort, wo es sinnvoll ist. Denn auch wenn wir das Virus gerade ein wenig aushungern: Es ist in der Welt und wird hier auch bleiben. Der Kampf ist noch längst nicht gewonnen.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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