Die USA und Corona Supermacht in Nöten MIKE SCHIER

Die USA und Corona. Supermacht in Nöten .

MIKE SCHIER

Man stumpft schon ab: Seit Wochen liefert Donald Trump quasi täglich ein kurioses Corona-Schauspiel. Mal empfiehlt der US-Präsident, Desinfektionsmittel zu trinken, mal philosophiert er über eine Lichttherapie. Dazu kommen die Wutausbrüche gegen die Chinesen oder die Demokraten und die „verrückte“ Nancy Pelosi. Zwischendurch lässt Trump Sympathie für Demonstranten erkennen – von denen einige dann später vermummt und mit Maschinengewehren vor dem Büro der demokratisch gewählten Gouverneurin von Michigan stehen.

Ja, man zweifelt an diesem Amerika, das so lange von aller Welt bewundert oder gehasst, aber immer irgendwie auch beneidet wurde. Trumps schräger Vorwahlkampf versucht, die tiefer liegenden Probleme zu übertönen: Ein kaputt gesparter Staat, dessen Warnsystem bei Corona versagte. Ein Gesundheitswesen, das auch weite Teile der Mittelschicht bei Corona nicht mehr adäquat versorgen kann. Inzwischen sind mehr als 66 000 Amerikaner am Virus gestorben. Dazu fehlt oft jegliche soziale Absicherung: 30 Millionen verloren durch Corona ihren Job und mit ihm oft Krankenversicherung und Existenz. Aus den Verwerfungen der Finanzkrise wurde nichts gelernt.

Die Verantwortung dieser Missstände liegt nicht allein bei Trump. Sie haben sich über Jahre aufgebaut. Doch mit seiner Politik, den Staatsapparat zu schwächen, hat er sie vergrößert. „Make America great again“? Die Supermacht wirkt im Wahljahr verwundbar wie selten.

Mike.Schier@ovb.net

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