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Wie wir Silvester feiern: Schon wieder ein Charaktertest

CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER
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CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER
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Selten wollte man an Silvester die bösen Geister des alten Jahres so laut und wild weg böllern wie nach diesem vermaledeiten 2020. Aber es wird eine leise Nacht werden, hoffentlich.

Die Corona-Gefahr aus größeren Feiern und sekttrunkener Nähe ist höher denn je. Das ist eine leider sehr nüchterne Erkenntnis aus einem unglücklichen Zufall: Ausgerechnet an Weihnachten versammelte sich bundesweit ein absoluter Höchststand an Corona-Infizierten zur Feier unterm Baum. Das nächste Fest sieben Tage später in neuer Runde hätte Superspreader-Potenzial. Es war richtig, die Kontakte für Silvester, meist sowieso mehr Party als Familienfeier, hart zu begrenzen.

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Die Fallzahlen trügen momentan, die Emotionen auch. Die geringere Testzahl an Weihnachten und der Meldeverzug vieler Behörden (jedes kasachische Katasteramt würde sich dafür schämen, die Technologienation Deutschland nimmt es Sonntag für Sonntag hin) verwässern die wahren Inzidenzen. Die Ungeduld der Menschen im Lockdown wächst, auch weil ja alle längst ahnen, dass der Januar schon komplett abgeschrieben ist.

Trotzdem: Vernunft, Verzicht, schon wieder ein Charaktertest. Und weil ihn absehbar nicht jeder bestehen wird: diesmal auch Kontrolle. Ohne größere Polizeipräsenz gerade in den Städten, frühes Einschreiten und Bußen (zu Recht anders als an Heiligabend) wird es nicht klappen. Wenn es wirklich ein besseres neues Jahr werden soll, braucht’s an Silvester mehr Vorsicht als Nachsicht.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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