Corona setzt Johnson außer Gefecht Die Virologen haben die Weltherrschaft

Corona setzt Johnson außer Gefecht. Die Virologen haben die Weltherrschaft .

GEORG ANASTASIADIS

Wäre die Corona-Krise keine gefährliche Pandemie, sondern eine unterhaltsame Seifenoper, könnten wir jetzt herzhaft über die nächste Pointe lachen: Ausgerechnet Boris Johnson, dem das Virus lange am Allerwertesten vorbeiging, ist der erste europäische Regierungschef, den der boshafte Erreger außer Gefecht setzt. Dass es zuvor mit Prinz Charles auch schon den Thronfolger erwischt hat, lässt freilich nichts Gutes ahnen für das Königreich: Offenbar ist das Coronavirus nach Johnsons langem Zögern, Schulschließungen und Ausgangsbeschränkungen anzuordnen, schon zu weit in der Bevölkerung verbreitet, als dass die Ausbreitung der Lungenkrankheit jetzt noch zu stoppen wäre. Vor Kurzem hatte Held Johnson – so wie sein brasilianischer Kollege Bolsonaro – noch stolz damit geprahlt, dass er weiter jedem die Hand gebe. Die Senioren könnten bald einen hohen Preis zu zahlen haben für den Übermut ihres Premiers. Noch dümmer handelte nur die neue spanische Regierung, die am 8. März noch zur Teilnahme an einer Riesendemo für Frauenrechte in Madrid aufrief. Zwei Ministerinnen und die Frau des sozialistischen Ministerpräsidenten steckten sich an. Seither ist die spanische Hauptstadt ein Epizentrum der Seuche.

Eine Sorge müssen die Briten gottlob nicht haben: Dass es ohne Johnson jetzt noch steiler bergab geht. Längst haben die Virologen es den Klimaforschern nachgemacht und die Weltherrschaft an sich gerissen. Europas lange sorglosen Politikern, die noch im Routinemodus weiterwurstelten, als Corona in Asien schon schlimm wütete, bleibt nur noch die Rolle der staunenden Statisten. Auch die Deutschen hängen längst nicht mehr an den Lippen der Kanzlerin oder ihres Möchtegern-Nachfolgers Armin Laschet, sondern an denen des Charité-Virologen Christian Drosten. Böse Zungen sagen: Ist auch besser so! Mag sein. Aber irgendwann muss auch die Politik wieder übernehmen. Den ewigen Shutdown können wir uns nicht leisten.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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