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Jugend bangt um ihre Zukunft: Reifeprüfung für die Generation Greta

GEORG ANASTASIADIS
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GEORG ANASTASIADIS
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Zu den besonders bösen Eigenschaften des Coronavirus gehört, dass es die Gesellschaft entzweit. In Bürger, die die Maßnahmen verstehen (oder sie zumindest solidarisch mittragen), und in „Querdenker“. In Jung und Alt.

Das liegt an seinen Eigenschaften: Das Virus ist potenziell tödlich, aber für jede Altersgruppe unterschiedlich. Weil es generell nicht so todbringend ist wie etwa die Pest im Mittelalter, bestreiten manche seine Gefährlichkeit gleich rundheraus.

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Corona spaltet also. Die Alten werfen den Jungen vor, nicht aufs Partymachen verzichten zu wollen und damit alle anderen zu gefährden. Und die Jungen den Alten, ihnen die Zukunft zu verbauen. Doch ist die beste Voraussetzung, Corona erfolgreich zu bekämpfen, Zusammenhalt und gegenseitige Rücksichtnahme. Das erfordert auf beiden Seiten statt gegenseitiger Vorwürfe die Bereitschaft anzuerkennen, dass Corona allen viel abverlangt: Für die Alten steht das Recht auf Leben auf dem Spiel, viele sind von Ängsten und Einsamkeit geplagt, und sie pochen zu Recht auf Solidarität der anderen. Sie stehen, auch medial, im Zentrum des Gesundheitssturms. Doch auch die Jungen verzichten gerade auf sehr viel – das gilt jedenfalls für die große Mehrheit derjenigen, die sich gottseidank verantwortungsbewusst verhält. Sie lernen oder studieren oft ganz allein in einem Alter, in dem sich ihre Eltern einst kennenlernten, Freundschaften schlossen oder nach dem Abi ins Ausland reisten. Sie verlieren Jobchancen. Und sie werden den Schuldenberg abtragen müssen, den der Staat gerade anhäuft. Die Freitagsdemos waren, wenn man ehrlich ist, für viele noch Teil der Party. Doch Corona stellt die behütet und vielfach ohne große materielle Sorgen aufgewachsene „Generation Greta“ vor eine echte Reifeprüfung. Wer sie besteht, verdient Respekt.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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