Meinung

Der zweite Corona-Lockdown wirkt, verlangt den meisten Menschen aber mehr ab als der erste

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  • Mike Schier
    vonMike Schier
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Die Corona-Pandemie beeinflusst unser Leben nun bereits seit einem Jahr. Inzwischen sind die Bürger erfahren genug, um keine Katastrophen-Szenarios zu brauchen, damit sie vernünftig handeln.

Ein Jahr Corona. Inzwischen trauern 50 000 Familien in Deutschland um ihre Liebsten. Zehntausende leisten in den Kliniken Tag und Nacht Außergewöhnliches. Und Millionen leiden auf höchst unterschiedliche Weise unter Belastungen, die der Kampf gegen die Pandemie mit sich bringt. Unter wirtschaftlichen Folgen, psychologischer Belastung, Einsamkeit, Spannungen in Familien im Homeschooling. Wer trotz staatlich verordneter Abschottung viel mit Menschen redet, merkt, dass deutlich mehr als beim ersten Lockdown an ihre Grenzen stoßen.

Gerade deshalb sind die Zahlen zum Ende dieser Woche ein wichtiger Hoffnungsschimmer. Der Lockdown wirkt, die Inzidenz sinkt, in Oberbayern teilweise fast rasant. Manches deutet darauf hin, dass vor allem die Ausgangssperre, die die Bayern ab 21 Uhr ins Private zwingt, die Ansteckungen deutlich reduziert hat. Die Bayern feierten Weihnachten und Silvester sehr verantwortungsvoll. Die Allermeisten achten auf Abstand, tragen Maske – und wenn der Staat teure (und unkomfortable) FFP2-Masken quasi über Nacht zur Pflicht erklärt, werden diese brav gekauft.

Deshalb sollten manche Experten (allen voran das Robert-Koch-Institut) ihre ständige Alarmrhetorik etwas herunterdimmen. Die Bürger sind nicht blöd: Sie sehen, dass in Irland oder Spanien nach guter Entwicklung zu viel Sorglosigkeit die Zahlen wieder explodieren ließ. Sie wissen, dass die britische Mutation neue Gefahren birgt. Aber mitten in die ersten positiven Nachrichten seit Monaten vor vierten und fünften Wellen zu warnen und Horrorszenarien fürs Frühjahr zu skizzieren, zeugt von mangelndem Fingerspitzengefühl. Nach einem Jahr Pandemie brauchen die Menschen ein wenig Hoffnung!

Schon klar: Wir müssen weiter vorsichtig bleiben (siehe Spanien). Doch wichtig ist auch: Wenn die Zahlen weiter sinken, muss über vorsichtige Öffnungen gesprochen werden. Vereinsamung, psychische Probleme, Fettleibigkeit und Alkoholismus tauchen in keiner RKI-Statistik auf. Doch die Politik darf die heftigen Nebenwirkungen der radikalen Virologen-Therapie nicht übersehen.

Mike.Schier@ovb.net

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