Corona: Nach dem Mailand-Schock Es ist Zeit, alle Register zu ziehen!

Corona: Nach dem Mailand-Schock. Es ist Zeit, alle Register zu ziehen!

GEORG ANASTASIADIS

Als  Chinas  kommunistisches Regime am 22. Januar die 11-Millionen-Metropole Wuhan unter Quarantäne stellte, fühlten sich viele im Westen wie in einem Kinofilm: Schaurig-schön, aber weit weg und wenig bedrohlich war das, was sich da im Reich der Mitte abspielte. Schon gar nicht wäre ein so hartes Vorgehen in einer liberalen Demokratie denkbar, hieß es. Wir haben uns lange selbst belogen, doch damit ist es nun vorbei. Die Abriegelung einer europäischen Mega-City wie Mailand ist ein schriller Weckruf. Zeugen berichten von schlimmen Zuständen in überlasteten italienischen Kliniken, die Zahl der Toten steigt immer schneller. Und die der Panikmache unverdächtige Weltgesundheitsbehörde warnt: „Dies ist keine Zeit für Ausreden. Dies ist eine Zeit, um alle Register zu ziehen.“

Hat irgendwer den Eindruck, dass man das in Deutschland und Bayern bislang getan hat? Da wurden in aller Ruhe Fußballspiele vor zehntausenden eng zusammengepferchten Fans ausgetragen, eine Brauerei sträubte sich mit Händen und Füßen gegen die Absage des Millionengeschäfts Nockherberg, und Bayerns Schulbehörden taten im Umgang mit Italien-Heimkehrern gerade so, als handle es sich bei Corona um lästigen Kopflausbefall. Derweil suchte sich das Virus seinen Weg in die Mitte der Bevölkerung. Schon klar: Das Leben muss weitergehen. Aber warum vermeidbare Risiken eingehen? Der gestrige eindringliche Rat von Corona-Minister Jens Spahn, Veranstaltungen mit über 1000 Teilnehmern abzusagen, war mehr als überfällig.

Chinas harter Kurs hat unseren Politikern einen kleinen Zeitvorsprung verschafft. Sie haben ihn nicht genutzt. Jetzt, zahllose Beschwichtigungsappelle später, ist die lange nicht für möglich gehaltene Epidemie da. Doch noch immer sagen manche, das Coronavirus treffe ja „nur“ Alte und Kranke, wichtiger sei es, die Wirtschaft nicht zu beeinträchtigen. Zynischer geht es nicht! In einem heftigen Grippejahr erliegen in Deutschland 20 000 Menschen der Influenza. Bei Corona befürchtet der führende Virologe des Landes eine fünfmal höhere Opferzahl. Mit etwas Glück wird es nicht so schlimm kommen – aber nur, wenn wir alles tun, um das Virus so zu bremsen, dass unsere Kliniken dem Ansturm standhalten.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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