Corona und die Lockerung Familien schultern die doppelte Last

Corona und die Lockerung. Familien schultern die doppelte Last .

CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

Deutschland wird ungeduldig. Das ist schon mal besser als ein Volk, das apathisch auf dem Sofa liegt. Zum Start in die große Lockerungs-Woche sollte man trotzdem genau auf die Argumente schauen. Es ist viel Unfug unterwegs: Verschwörungstheorien oder das Gefasel von der „Leichten Grippe“ – in den 30 000 Särgen in Italien lagen keine Schnupfen-Opfer. Auch weist die Quote freier Intensivbetten bei uns nicht auf überzogene, sondern auf wirksame Maßnahmen hin, auch ein geglücktes Hochfahren der Klinik-Kapazitäten. Auf eine bisher stille Gruppe in der Mitte der Gesellschaft sollten wir umso genauer hören: die Eltern, die mit der Kinderbetreuung die Hauptlast tragen. Viele Familien nähern sich der Belastungsgrenze.

Vielleicht hätten sie auch gern seitenlange Briefe an Merkel oder Söder geschrieben – hatten aber keine Zeit zwischen Ersatz-Unterricht, Homeoffice, Maskennähen und Existenzangst. Viele Familien unterstützen einen klaren Kurs beim Gesundheitsschutz. Doch eine Rückkehr zu Schule und Kita wünschen sich fast alle, auch, um wieder normales Arbeitsleben aufzunehmen.

Genau da ist aber noch Vorsicht zu erwarten. Einkaufen und ins Lokal gehen Kunden freiwillig, in die Schule nicht – die Politik hat hier eine besondere Schutz-Pflicht. Schulen zu öffnen und bald, mitten im Abitur, wegen Coronafällen wieder zu schließen, wäre ein Debakel – auch die Betreuungs-Not ginge von vorn los. Es wird Zwischenschritte geben diese Woche, Kleinstgruppen für Kitas, Zeitachsen für einzelne Klassen – das sind keine Wunder-lösungen, aber immerhin Perspektiven für Familien.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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