Die EZB und Corona Lagarde übertrifft noch Draghi

Die EZB und Corona. Lagarde übertrifft noch Draghi .

ROLF OBERTREIS

Christine Lagarde und die Damen und Herren im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) wollen sich nicht irgendwann vorwerfen lassen, dass sie zur Bekämpfung der Folgen der Corona-Pandemie nicht genug getan oder zu spät gehandelt hätten. Nichts anderes zeigen die von der Notenbank jetzt beschlossenen zusätzlichen Maßnahmen. Banken können bei der EZB bis Juni nächsten Jahres Kredite in unbegrenzter Höhe ziehen. Und sie müssen dafür keinen Cent Zinsen bezahlen. Mehr noch: Sie bekommen sogar noch Geld dafür. Der Negativ-Zins reicht von minus 0,25 bis minus ein Prozent.

Damit senkt die Notenbank faktisch den Leitzins. Denn bislang gilt der Satz von null Prozent. Damit kann auch die Debatte um den negativen Einlagezins ad acta gelegt werden. Den müssen Banken entrichten, wenn sie Geld bei der EZB parken. Die Liquidität aber brauchen sie selbst und möglicherweise noch mehr, um Unternehmen, vor allem kleinen Firmen und dem Mittelstand, Kredite zu gewähren, damit sie die Folgen des Shutdowns bewältigen können. In allen 19 Ländern der Eurozone. Die Lage ist dramatisch, dass zeigen die Prognosen der EZB und die Gesichtszüge der Präsidentin. Völlig unerwartet muss sie eine viel weiter reichende Krise bewältigen als ihr Vorgänger Mario Draghi 2012 auf dem Höhepunkt der Schuldenkrise in Euroland. Die EZB werde alles tun – „Whatever it takes“ –, um die Krise zu bewältigen, sagte der Italiener damals. Lagarde geht noch weiter. Im zweiten Quartal fürchtet die Französin in der Eurozone einen Einbruch der Wirtschaft um kaum vorstellbare 15 Prozent. Die EZB dürfte deshalb bald zur Erkenntnis kommen, dass es nicht bei ihrem 1,1 Billionen Euro schweren Anleihekaufprogramm und den üppigen, negativ verzinsten Kreditlinien bleiben kann.

Wirtschaft@ovb.net

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