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Behördenchef strafversetzt: Ein Beamter wird zur Räson gebracht

DIRK WALTER
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DIRK WALTER

Sieh an, es ist für einen Staatsbeamten also riskant, wenn er an der Corona-Politik der Staatsregierung Zweifel äußert.

Fachlich ist die Strafversetzung des Gesundheitsamts-Chefs Friedrich Pürner nicht zu erklären. Und allein auf dem Mist der Regierung von Schwaben ist die Entscheidung auch nicht gewachsen. Der Verdacht liegt nahe, sehr nahe, dass hier Ministerpräsident Markus Söder und seine Gesundheitsministerin Melanie Huml ein Exempel statuieren wollen. Ein unbequemer Staatsbeamter wird zur Räson gebracht, so kennt man die CSU von früher. Anscheinend hat Söder sein Vorbild Franz Josef Strauß auch hier sehr verinnerlicht. Klug ist das nicht.

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Pürner hat das artikuliert, was ein Teil der Bevölkerung – und damit sind nicht die Corona-Leugner gemeint – denkt. Mit seiner Kritik, Corona-Maßnahmen allein an den Inzidenzwerten auszurichten, hat er Recht. Die Grenzwert-Strategie ist krachend gescheitert, fast alle Landkreise überschreiten die ursprüngliche Obergrenze von 50 mittlerweile bei Weitem, manche sind jenseits der 300. Es sind letztlich Herrscher-Allüren mit dem Selbstverständnis, die Corona-Politik allein zu bestimmen. Genau aus diesem Grund wird Söder auch jedes Mal pampig, wenn die Opposition auf ihr Mitspracherecht pocht. Da wird schon auch mal flugs die FDP mit der AfD verglichen. Aber nicht einmal Fachleute, die ihm widersprechen, akzeptiert der Ministerpräsident augenscheinlich.

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Der Landkreis Aichach-Friedberg hatte gestern eine Inzidenz von 188, das ist Durchschnitt. Es gibt keinen Hinweis, dass Pürner an der Spitze der Behörde grobe Schnitzer gemacht hätte. Seine Versetzung hingegen ist ein Fehler.

Dirk.Walter@ovb.net

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