Meinung

Merkels „Nur-ein-Kind-treffen“-Politik: Lebensfernes Ansinnen

MARC BEYER
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MARC BEYER
  • vonMarc Beyer
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Im Leben eines jungen Menschen kommt der Moment, wo er mit jemandem zusammen sein will, der leider schon vergeben ist.

Das kann auch in Corona-Zeiten passieren, aber ohne romantische Note. Kinder sollen sich nur mit einem anderen Kind treffen – immer demselben. Was, wenn dieses Kind schon jemand anders trifft?

Man hört förmlich das Papier rascheln, auf dem die Idee der deutschen Ein-Kind-Politik ausgearbeitet wurde. Realitätsnah ist das nicht. Nicht nur, weil man tagsüber in Kindergärten und Schulen Dutzende trifft, es anschließend aber der oder die eine sein soll. Die Maßnahme trifft auch eine Gruppe, die von Sportverboten und Freizeitbeschränkungen eh schon hart getroffen ist. Erwachsene können sich notfalls allein beschäftigen. Kinder sind deutlich bedürftiger, und Fernsehen oder Internet sind schon in normalen Zeiten kein guter Ersatz.

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Hinzu kommt, dass der Nachwuchs oft vernünftiger ist, als sich mancher Erwachsene vorstellen kann. Die ganz kurze Leine muss gar nicht nötig sein. Kinder beherzigen viele Regeln und Zumutungen bereitwilliger als Große, sie wittern nicht hinter jedem Gebot Ungemach oder Bevormundung. Es soll sogar Grundschüler geben, die nur mit einer Maske das Gefühl haben, dazu zu gehören.

Eltern wissen, dass es nicht nur mit Strenge geht. Weisungen fruchten nur, wenn das Kind den Sinn sofort begreift. Die Erziehungsberechtigten in Bund und Ländern scheitern mit ihrem lebensfernen Ansinnen an dieser Hürde.

Marc.Beyer@ovb.net

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