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Corona-Impfungen: Private Praxen nicht länger ausschließen

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Sebastian Horsch
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Die Pandemie kehrt das Klischee um. Während die meisten Praxen fleißig impfen, müssen reine Privatärzte ihre Patienten bislang zu Kollegen oder ins Impfzentrum verweisen. Impfstoff gibt es nämlich bisher nur für diejenigen Mediziner, die auch Kassenpatienten behandeln.

Der Ärger der Privatärzte ist groß – und zum Teil auch nachvollziehbar. Denn zur Wahrheit gehört, dass ihre Patienten in einer neuen Praxis oft erst einmal hinten auf die Warteliste rücken dürften. Die meisten Kassenärzte haben schließlich selbst genug Anwärter.

Dennoch: Solange der Impfstoff so knapp war, war es richtig, ihn nur an Praxen zu vergeben, die Kassenpatienten nicht ausschließen. Dazu kam, dass es offenbar kein Verfahren gab, um nachzuweisen, welcher Inhaber eines Arztausweises tatsächlich eine private Praxis betreibt. Auch an die Impfstatistik waren sie nicht angebunden.

Nun ändert sich die Lage. Mehr Impfstoff kommt und die technischen Probleme scheinen lösbar. Gleichzeitig scheuen laut Ärztlichem Kreis- und Bezirksverband München einige Patienten privater Praxen den Gang ins Impfzentrum. Das kann man bewerten, wie man möchte – doch gerade bei Älteren besteht so die Gefahr, dass sie zu spät geschützt werden.

Es wäre deshalb nicht sinnvoll, diese wenigen Praxen weiter auszuschließen, während gleichzeitig ab Anfang Juni für eine möglichst breite Abdeckung sogar in Betrieben geimpft werden soll.

Sebastian.Horsch@ovb.net

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