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Jens Spahn im Rampenlicht: Ein gewaltiges Impf-Risiko

CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER
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CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER
  • Christian Deutschländer
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2020 sind in der Politik vermeintliche Gewissheiten wie Dominosteine durcheinandergepurzelt.

Erinnert sich noch jemand, wie Annegret Kramp-Karrenbauer 2019 das Verteidigungsressort übernehmen durfte? Welch Wucht und Macht, derweil Parteikollege Jens Spahn in seinem Bonsai-Gesundministerium versauerte! Nun ja: Während AKK still rostendes Rüstungsgut repariert und aus dem CDU-Vorsitz stolpert, rückt Spahn mit Corona ins Zentrum der größten Nachkriegskrise. Seine Präsenz ist enorm, neuerdings ist er beliebter als die Kanzlerin.

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Eine neue Gewissheit? Nein, Spahns Aufstieg ist auf Sand gebaut. Die Stimmung kann sich drehen. Die gute Grundlinie der deutschen Politik, die zehntausende Leben verlängerte, wird als selbstverständlich hingenommen. Der Ärger über Detailfehler und den Sommer-Schlendrian wächst aber. Spahn hat nicht Test-Pannen oder verbummelte Schul-IT zu verantworten, aber der anschwellende Impf-Ärger über EU, Bund und Länder wird gefährlich. Zu spät Stoff geordert, schleppende Lieferung, zu wenig Personal, dazu eine vage, durch kein Parlament bestätigte Impf-Reihenfolge: Das schürt Ärger bei der Mehrheit im Land, die sich impfen lassen will, die nach beeindruckender Disziplin nun ihren Alltag zurück will. Und sich wundert: Warum sind Briten und Israelis schneller?

Spahn könnte, murmeln manche, im Wahljahr 2021 Kanzlerkandidat eines CDU-Chefs Laschet werden. Oder zum Watschngesicht eines Versagens der Exekutive. Das ist ein extremer Bogen, nicht nur für ihn. Die komplette Union, mitsamt Söder und allen Voranpreschern, kann mit schlechtem Impf-Management das Vertrauen verspielen, das sie im Krisenjahr 2020 aufgebaut hat.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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