Corona-Hotspot Ischgl Wo Gier über Gesundheit siegt

Corona-Hotspot Ischgl. Wo Gier über Gesundheit siegt .

CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

Seit Jahrzehnten war Politik nicht mehr so ernst wie jetzt. Eine Region, ein Land, durch die Corona-Krise zu steuern, heißt, auf Basis vager Erkenntnisse Entscheidungen zu treffen, die am Ende tausende Leben retten oder kosten können. Viele Beschlüsse und ihr Tempo wird man erst rückwirkend beurteilen können. In wenigen krassen Fällen wird allerdings jetzt schon Versagen offenbar: Lügen und Vertuschung in China zu Beginn der Krise, Fehler der Politik wie die irre Großdemo mit 100 000 Leuten am 8. März in Madrid, Schlingerkurse wie in den USA und Großbritannien – und extremes, vielleicht vorsätzliches Behördenversagen wie in Ischgl.

Vor allem dieser Fall erschreckt. Das österreichische Party-Paradies exportierte Infizierte nach ganz Europa. Als aus mehreren Ländern Alarmmeldungen und deutlichste Reisewarnungen eintrafen, beteuerten Politik und Behörden in Tirol noch tagelang, da sei nichts. In Ischgl, wo Tourismus, Politik und Parteienfinanzierung wie so oft in Österreich eng verwoben sind, wollten sie noch ein paar Millionen Euro bis Saisonende scheffeln. Man kann nur vage erahnen, ob am Ende hunderte oder doch tausende Corona-Tote auf Ischgl-Infizierungen zurückgehen werden. Vielleicht lässt sich das nie rechtssicher klären – aber die politische Last auf der schwarz-grünen Landesregierung ist enorm. Auf längere Sicht wird niemand mehr unbesorgt dort urlauben können, wo Abwiegelei über Anstand und Gier über Gesundheit gestellt werden.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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