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Holpriger Corona-Impf-Start: Daumen runter für „Ärmel hoch!“

KLAUS RIMPEL
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In der ersten Corona-Welle haben viele Staaten mit Respekt auf Deutschland geblickt, das dank vorausschauender Politik relativ glimpflich durch die Pandemie kam.

Doch jetzt ist nicht mehr viel übrig von bewundernswerter deutscher und auch bayerischer Staatskunst. Der mit vielen schönen Bildern von glücklichen geimpften Senioren begleitete Start der Aktion „Ärmel hoch!“ gerät zunehmend zum Desaster.

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Die EU und die Bundesregierung haben zu spät erkannt, dass das Biontech/Pfizer-Serum im Rennen der Pharmakonzerne die Nase vorn haben wird. Großbritannien, die USA oder Israel hatten viel früher größere Mengen des Serums bestellt. Das kleine Israel impft nun 115 000 Menschen an einem Tag. Bayern mit gut anderthalbmal so vielen Einwohnern schafft es gerade mal, 6000 Menschen täglich zu impfen. Als Ziel hat sich Bayern 30 000 Impfungen pro Tag vorgenommen – Israel 150 000, auch indem die Impfzentren dort Tag und Nacht offen sind.

Beim Mangel an Serum mag Bayern die Schuld noch nach Berlin schieben. Doch das Durcheinander bei der Impf-Anmeldung geht aufs Konto der Staatsregierung. Statt klar zu sagen „Wartet, bis ihr per Brief aufgerufen werdet“, herrscht ein Chaos unterschiedlicher Telefonnummern, die wegen (erwartbarer!) Überlastung nicht funktionieren. Und Melanie Huml will erst Ende Januar ein Online-Reservierungssystem freischalten. Peinlich für Bayern, das doch so gerne Vorbild für andere spielt!

Klaus.Rimpel@ovb.net

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