Corona-Fälle in Schlachthöfen Effizienz steht über allem

Corona-Fälle in Schlachthöfen. Effizienz steht über allem.

DOMINIK GÖTTLER

Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg und jetzt auch Bayern – in immer mehr Schlachthöfen werden Corona-Infektionen unter den Mitarbeitern bekannt. Das rückt die Arbeitsbedingungen der Schlachter ins Bewusstsein der Bevölkerung, die davon an der Fleischtheke sonst herzlich wenig mitbekommt.

Dahinter steckt ein Problem, das nicht nur in der Fleischbranche allgegenwärtig ist: Viele Unternehmen lagern immer größere Teile ihres Kerngeschäfts durch Werkverträge in Subunternehmen aus – zu Lasten der Beschäftigten, die auf den Job angewiesen sind. Nicht nur bei der Spargelernte ist Deutschland also von osteuropäischen Hilfsarbeitern abhängig, auch das Schweinenackensteak wäre ohne die teils unter fragwürdigen Bedingungen arbeitenden Helfer aus dem Ausland nicht zu dem Spottpreis zu haben, zu dem es im Supermarkt gerne angeboten wird.

Die Politik scheute die Reform dieses auf pure Effizienz ausgerichteten Systems bislang auch deshalb, weil der Preis von Fleisch durch strengere Vorgaben steigen könnte – was gerade den Wählern den Appetit verderben dürfte, die beim Einkauf ohnehin auf jeden Euro achten müssen. Doch vielleicht kann die Corona-Krise eine Lehre sein, um wenigstens bei der Unterbringung der Schlachthofmitarbeiter endlich genauer hinzusehen.

Dominik.Goettler@ovb.net

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