Corona: Emotionen schlagen hoch Fakten gegen die Hysterie

Corona: Emotionen schlagen hoch. Fakten gegen die Hysterie .

GEORG ANASTASIADIS

Gestern noch erregt, heute schon hysterisch: Die steile emotionale Kurve, die Deutschland in der Corona-Krise gerade durchläuft, erinnert stark an den Flüchtlings-Sommer 2015. Während die einen auf Bahnhöfen klatschten, räsonierten andere über den Schusswaffengebrauch an der Grenze. Und jetzt, fünf Jahre später, gehen es viele Bundesbürger wieder sehr grundsätzlich an: Da diskutieren die einen über eine Schutzmaskenpflicht für Gebärende, während andere auf Corona-Demos Passanten anhusten.

Acht Wochen hat’s diesmal gedauert, bis Maß und Mitte weg waren, jedenfalls in der medialen Wahrnehmung. Die Polarisierung schreitet voran zwischen denen, die Corona für nicht mehr als eine „mittlere Grippewelle“ halten, und jenen, die sich panisch vor Angst vom Leben zurückziehen. Zum Glück gibt es dazwischen noch immer jene drei Viertel pragmatisch denkende Menschen, die den Lockdown im Prinzip richtig fanden und jetzt um das richtige Maß an Lockerung ringen. Gerade die Medien sind gefordert, anders als 2015 diesmal ein ausgewogenes Bild der Wirklichkeit zu zeichnen. Wer für Erleichterungen eintritt oder zur Verteidigung bürgerlicher Freiheit aufruft, ist nicht gleich ein „Corona-Leugner“, der kruden Verschwörungstheorien anhängt. Sie als Radikale abzustempeln befördert erst die Radikalisierung, die wir – auch als Lehre aus der Pegida-Bewegung – vermeiden sollten. Umgekehrt sollte sich jeder gut überlegen, mit wem er da Seit’ an Seit’ marschiert. Wir befinden uns in einer schwierigen Phase, die Mut erfordert: da, wo es  verantwortbar ist, zu  lockern – und da, wo wir einen Schritt zu weit gegangen sind, Lockerung auch wieder zurückzunehmen.

Gerade dem Robert-Koch-Institut kommt jetzt eine wichtige Aufgabe zu. Die neue – womöglich übertriebene – Aufregung um die wieder auf 1,13 gestiegene Reproduktionszahl zeigt, wie wichtig es ist zu erklären. Information und Fakten sind die besten Waffen gegen Hysterie. Umso unverständlicher, dass das RKI ausgerechnet jetzt seine regelmäßigen Pressekonferenzen beenden will.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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