Meinung

Der Dezember-Lockdown: Bitte Vorsicht unterm Weihnachtsbaum!

CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER
+
CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER
  • Christian Deutschländer
    vonChristian Deutschländer
    schließen

Dieses Land hat noch nie eine flehende Kanzlerin erlebt.

Wie Angela Merkel, die nüchterne Physikerin, diese Woche im Bundestag um Worte rang und eindringlich bat, an Weihnachten vorsichtig zu sein – das trifft auch viele ins Mark, die sonst aus guten Gründen mit ihr hadern. Merkel gesteht ein, dass Bund und Länder die Kontrolle über die zweite Welle verlieren. Dass sie in diesem Stadium kaum mehr die Macht haben, Heiligabend drastisch einzuschränken und nicht die Kraft, das zu kontrollieren.

Lesen Sie auch: Themenseiten zum Corona-Geschehen in der Region

Paradox: Der „Lockdown light“ hat nicht genug gewirkt. Es war falsch, Branchen pauschal zuzusperren, aber Schulen lange in Vollbetrieb zu lassen, dazu kaum geschützte Heime. Nachgelagerte Klugheit, wohl wahr, akut nutzlos. Nun ist klar: Die Infektions-, Patienten- und Todeszahlen steigen so diffus und steil, dass der harte Lockdown kommen wird, schnell und noch pauschaler; die Mehrheit ist sogar bereit dafür. Gleichzeitig lassen sich selbst die Allerbravsten unter den Regeltreuen nicht von Merkel/Söder diktieren, wer Weihnachten zu ihrer Familie gehört.

Das Risiko ist enorm, weil Infektionen zeitversetzt wirken. Statistisch dürfte ein Rekordstand an Infizierten unterm Baum sitzen. Stecken die sich reihum an – siehe USA an Thanksgiving –, folgt unausweichlich der nächste Höchstpunkt gegen 10. Januar. Wer lockert dann, wenn auch die Kliniken überlaufen? Die traurige Weihnachtsrealität 2020: Nur wenn die Bürger die letzten Spielräume nicht ausreizen, kann dieses Fest noch glimpflich enden.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

Mehr zum Thema

Kommentare