Corona-Chaos im Supermarkt

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Lockdown länger und härter. GEORG ANASTASIADIS.

Zugegeben: Die Politik hat es schwer in dieser Zeit einer schweren Gesundheitskrise. Was die Regierung auch tut oder unterlässt: Lob kann sie nicht erwarten. Dafür sind die Folgen jedes staatlichen (Nicht-)Handelns zu überwältigend für die Betroffenen mit ihren widerstreitenden Interessen – die Risikopatienten, die Wirte, die Künstler, die Ladenbesitzer, wir alle in unserem Wunsch, uns einen Rest an Alltag auch in Zeiten der Pandemie zu bewahren. Wichtig sind Augenmaß und Besonnenheit. Und immer die Frage: Wie zielführend sind einzelne Maßnahmen – und wie gravierend ihre Nebenwirkungen?

Das von den 16 Ministerpräsidenten und der Kanzlerin geschnürte Paket ist richtigerweise geleitet vom Bemühen, einen Knallhart-Lockdown wie in Frankreich oder Österreich zu vermeiden. Der Preis dafür ist ein Regelungsdickicht – und das Risiko, dass sich Regierung und Regierte darin verirren wie schon mit der (später verworfenen) Idee, Kindern nur noch einen Spielgefährten zu erlauben. So ist es leider wieder gekommen. Der Beschluss, die zulässige Besucherzahl in Läden ab 800 qm zu halbieren, wird uns vor Weihnachten um die Ohren fliegen, wenn sich vor den Supermärkten lange Schlangen bilden und Menschen panisch Hamsterkäufe starten. Von den Folgen für die sterbenden Innenstädte ganz zu schweigen. Dieses Konjunkturprogramm für Amazon braucht kein Mensch.

In seinem steten Bemühen, den Lockdown wieder härter als alle anderen zu zelebrieren, hat Bayerns Ministerpräsident Söder sich zudem auch noch auf den Sport im Freien, das Skifahren, eingeschossen. Er will es, mit Merkels Hilfe, überall in den Alpen, vor allem in Österreich, verbieten lassen, ungeachtet funktionierender Hygienekonzepte der Bergbahnen. Tagesausflügler müssen in Quarantäne, was einem faktischen Reiseverbot gleichkommt. Aber ist der Kurzaufenthalt mit Maske im Lift wirklich gefährlicher als die dreiviertelstündige Fahrt in einer vollen Münchner S-Bahn, die die Staatsregierung augenscheinlich für so risikolos hält, dass sie hier auf Maßnahmen verzichtet? Der Staat stellt die Welt der Gastronomen, Ladenbesitzer und Liftbetreiber per Federstrich auf den Kopf, doch in seinem eigenen Zuständigkeitsbereich  macht er weiter, als gäbe es kein Virus. Söder sollte sich nicht wundern, wenn manche Bayern da den Kopf schütteln.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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