Meinung

Buß- und Bettag: Schon wieder schul- und kita-frei im Corona-Jahr

Claudia Möllers
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Claudia Möllers

Seit 25 Jahren ist der Buß- und Bettag nur noch „gesetzlich geschützer Feiertag“ in Bayern, aber schulfrei. Was soll das?

Vor 25 Jahren ist der Buß- und Bettag als gesetzlicher Feiertag zur Finanzierung der Pflegeversicherung abgeschafft worden. Bis heute hält dies die evangelische Kirche für eine Fehlentscheidung. Damals beugte sich die evangelische Kirche dem gesellschaftlichen Druck angesichts der vielen Pflegebedürftigen.

So ist der Buß- und Bettag nur noch ein „gesetzlich geschützter Feiertag“, in Bayern ist aber an allen Schulen unterrichtsfrei. Eltern müssen seither sehen, wie sie die Versorgung ihrer Kinder an diesem Tag regeln. In diesem Jahr ist es aber besonders schwierig, weil die meisten berufstätigen Mütter und Väter ihre Urlaubstage wegen Corona voll ausgeschöpft haben und alternative Versorgungsangebote nicht stattfinden können. Für die Kinder entfällt ein weiterer Unterrichtstag in einer Zeit, in der sie ohnehin über viele Wochen nicht zur Schule gehen konnten. Es ist verständlich, dass Eltern sich einen Verzicht auf den unterrichtsfreien Tag gewünscht hätten.

Dazu hätten sich Staat und Kirche frühzeitig verständigen müssen. Das Interesse der Kirche daran ist nicht groß, denn sie hofft immer noch, dass sie den verlorenen Feiertag zurück bekommt. Ein zweites Mal wird sie sich dem gesellschaftlichen Druck nicht beugen.

Schreiben Sie der Autorin: Claudia.Moellers@ovb.net

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Update, 17. November 2020, 15.13 Uhr:

Wissen Extra: Was ist der Buß- und Bettag eigentlich?

Der Buß- und Bettag ist ein traditioneller evangelischer Feiertag. Er ist ein sogenannter beweglichen Feiertag. Jedes Jahr fällt der Buß-und Bettag auf einen anderen Termin. Der Grund dafür: Der evangelische Festtag wird jedes Jahr am Mittwoch vor dem letzten Sonntag des Kirchenjahres im November begangen, elf Tage vor dem ersten Advent. Dieses Jahr ist der Buß- und Bettag am 18. November 2020.

Welche religiösen Gedanken stehen hinter dem Buß- und Bettag?

Der Feiertag dient evangelischen Christen zum Nachdenken über eigene Fehler und Versäumnisse, aber auch gesellschaftliche Irrtümer. Der Buß- und Bettag soll daran erinnern, dass Scheitern zum Leben gehört, aber auch daran, sich immer wieder neu auf das Leben zu besinnen und neu zu orientieren. Das Wort „Buße“ wurde zu Zeiten Martin Luthers noch gleichbedeutend mit Beichte benutzt.

Buß- und Bettag: Geschichte als gesetzlicher Feiertag

Der Buß- und Bettag wurde seit dem Zweiten Weltkrieg in den meisten Bundesländern als gesetzlicher Feiertag behandelt. Ab 1981 bis 1994 war der Buß- und Bettag bundesweit ein gesetzlicher Feiertag. Auch in Ländern mit überwiegend katholischer Bevölkerung hatten Arbeitnehmer an diesem Tag frei. 1995 wurde der Feiertag gestrichen, um den Beitrag der Arbeitgeber zur Pflegeversicherung (die 1995 eingeführt wurde) aufzufangen .Nur in einem Bundesland ist der Buß- und Bettag weiterhin ein arbeitsfreier Feiertag und zwar in Sachsen.

Was hat am Buß- und Bettag alles geschlossen?

Ob Schulen und Geschäfte an diesem Tag geschlossen sind, ist in Deutschland heute ganz unterschiedlich geregelt. In Bayern ist der Buß- und Bettag 2019 kein gesetzlicher Feiertag mehr, sondern ein ganz normaler Arbeitstag. Schulen in Bayern bleiben aber geschlossen - egal, ob die Schüler katholisch oder evangelisch sind. Das bringt viele berufstätige Eltern in eine Zwickmühle und sorgt jedes Jahr für Diskussionen. Denn an diesem schulfreien Tag haben auch viele Kitas und Horte geschlossen. Lehrer haben am Buß- und Bettag zwar unterrichtsfrei, aber nicht dienstfrei.

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