Corona-Bonds als Ausweg? Alter Wein in neuem Schlauch

Corona-Bonds als Ausweg? Alter Wein in neuem Schlauch .

ALEXANDER WEBER

Europa sucht fieberhaft nicht nur medizinische Mittel gegen die Corona-Pandemie, sondern auch nach geeigneten finanziellen Instrumenten im Kampf gegen den wirtschaftlichen Totalabsturz nach dem Virus-Shutdown. Vor allem Italiens Regierungschef Conte will die Krise offenbar dazu nutzen, einen alten Wunsch Wirklichkeit werden zu lassen: Euro-Bonds. Sprich, die Vergemeinschaftung von Schulden durch gemeinsame Haftung.

Contes Vorwurf fehlender europäischer Solidarität war bezogen auf die ersten Corona-Tage in puncto ausgebliebener medizinisch-technischer Hilfe für die norditalienischen Katastrophenregionen vielleicht nicht ganz falsch. Doch mit seiner jetzigen Ablehnung großzügiger Brüsseler Hilfsmilliarden schießt der Römer übers Ziel hinaus. Er will die EU-Partner, allen voran Deutschland, so unter Druck setzen, um endlich zeitlich unbefristet Italiens Belastung durch seine staatlichen Schuldenberge zu verringern. Mal sehen, wie lange Conte sich das leisten kann.

Ein Verbündeter Italiens sitzt dabei in Paris. Präsident Macron muss von einem Einbruch der Wirtschaft um acht Prozent und einem Anstieg der Neuverschuldung auf neun Prozent ausgehen. Gemeinsame Anleihen mit Deutschland, das Prognosen zufolge stark aus der Corona-Krise zurückkehren wird, wären auch für den Franzosen ein Rettungsanker. Doch abgesehen von rechtlichen Problemen (etwa das Bundesverfassungsgericht): Stärkt man wirklich die Schwächeren, indem man den Starken schwächt?

Alexander.Weber@ovb.net

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