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Bayerns Teststrategie in Sachen Corona: So viel Freiheit wie möglich

SEBASTIAN HORSCH
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SEBASTIAN HORSCH
  • vonSebastian Horsch
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Tolle Neuigkeiten aus Mainz: Das Unternehmen Biontech kommt einem wirksamen Impfstoff gegen das Coronavirus immer näher.

In einem Jahr voller Hiobsbotschaften ist das eine lang ersehnte Nachricht. Doch klar scheint auch: Zumindest diesen Winter werden wir noch ohne wirksamen Schutz bewältigen müssen.

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Bis es einen Impfstoff gibt, sind es die Corona-Tests, die neben Maske und Abstand ein wenig Sicherheit geben. In Bayern sind sie bis heute für jeden kostenlos machbar. Auch wenn das Robert-Koch-Institut (RKI) empfiehlt, die Tests drastisch einzuschränken, will Ministerpräsident Markus Söder offenbar so lange wie möglich an seinem Sonderweg festhalten. Angesichts knapper Labor-Kapazitäten bringt ihm das Kritik ein. Und wäre Söder Wissenschaftler, läge er vielleicht tatsächlich falsch – als Politiker liegt er richtig. Fraglos werden in Bayern derzeit auch Tests gemacht, die aus virologischer Sicht überflüssig sind – für Einzelne können sie aber sehr wichtig sein, nicht nur um arbeitsfähig zu bleiben. Will jemand nur zum Kaffeeklatsch zu den Großeltern fahren, oder braucht er einen Test, weil es nötig ist, nach ihnen zu sehen? Die Grenzen sind fließend.

Solange die Kapazitäten ausreichen, sollte Bayern seinen Bürgern die Freiheit lassen, selbst darüber zu entscheiden. Dass sich alle – wie es das RKI empfiehlt – stattdessen nun bei jedem Husten vorsorglich tagelang isolieren, statt sich testen zu lassen, ist ein Irrweg und schwer zu vermitteln. Besonders, solange symptomlose Fußballprofis gleichzeitig jede Woche tausende Tests verbrauchen.

Sebastian.Horsch@ovb.net

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