Corona und die Abgase Kein Argument für Fahrverbote

Corona und die Abgase . Kein Argument für Fahrverbote .

MARTIN PREM

Wenn viel weniger Autos fahren, wird die Luft besser. Das ist eine Binsenweisheit, an der öffentlich kaum gezweifelt wird. Und sie erscheint durchaus plausibel. Doch die Erwartung, dass die Luftbelastung an stark befahrenen Straßen durch die gegenwärtigen Beschränkungen und das verminderte Verkehrsaufkommen entsprechend stark zurückgeht, hat sich nicht bestätigt. Ist der Dieselmotor gar nicht der Bösewicht, zu dem man ihn gemacht hat?

Ökologische Zusammenhänge sind eben doch komplexer, als dass man ihnen durch einfache Patentrezepte – etwa durch pauschale Fahrverbote – gerecht werden könnte. Und dass massive Verkehrsbeschränkungen, wie in Stuttgart, die Luft nicht im erwarteten Maß verbessert haben, war schon vor der Pandemie erkennbar. Die Debatte dürfte an Fahrt aufnehmen, wenn das beherrschende Thema Corona etwas in den Hintergrund tritt.

Dabei ist es durchaus bemerkenswert, wie sehr in der gegenwärtigen Krise selbst die profiliertesten Experten immer wieder betonen, wie wenig gesichert ihr Wissen ist und wie sehr sie auch irren können. Eine solche realistische Einschätzung der Grenzen und der Fehlbarkeit der eigenen Wissenschaftsdisziplin hätte auch der Schadstoffdebatte gutgetan. Weil das unterblieb, wurden aus ungesicherten Annahmen Dogmen und aus Dogmen Grenzwerte, an denen sich keiner mehr zu rütteln traute.

Martin.Prem@ovb.net

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