Conte erhält Regierungsauftrag Das Wunder von Rom INGO-MICHAEL FETH

Conte erhält Regierungsauftrag. Das Wunder von Rom.

INGO-MICHAEL FETH

Selbst der Staatspräsident hatte Zweifel, ob beide Seiten über ihren Schatten springen könnten. Doch Sozialdemokraten und Fünf-Sterne-Populisten schafften es, ihre Feindseligkeiten zu überwinden und sich zum Wohl des Landes zusammenzuraufen. Nicht nur Sergio Mattarella, auch die Mehrheit der Bürger atmet auf. Und mit ihnen Europa. Italien hat in den Abgrund geblickt und ist im letzten Moment vor sich selbst erschrocken. Ein Urnengang hätte dem drittstärksten Euro-Staat den hitzigsten Wahlkampf seiner Nachkriegsgeschichte beschert. Die Aussicht auf einen Durchmarsch der rechten Lega hatte schon jetzt Investoren verschreckt, Finanzmärkte verunsichert und die Gesellschaft gespalten.

Man kann in Sachen Migrationspolitik geteilter Meinung sein; für die harte Haltung Salvinis gegenüber den Seenotrettern gab es gute Argumente. Doch die Aussicht auf eine Dauerfehde mit Brüssel, eine Abkehr vom Stabilitätspakt, einen möglichen Euro-Austritt und eine Hinwendung zum Autokraten Putin hatte auch viele Italiener in höchste Sorge versetzt. Ausgerechnet der anfangs so stille und belächelte Jura-Professor Giuseppe Conte ist nun zum allseits geachteten Garanten für Stabilität aufgestiegen. In Rom ist ein politisches Wunder geschehen.

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