Meinung

Die Voraussetzungen für eine City-Maut passen (noch) nicht

Mike Schier
+
Mike Schier
  • Mike Schier
    vonMike Schier
    schließen

Aus Sicht von Mike Schier gibt es einen Zusammenhang zwischen der Debatte um die City-Maut für München und der zweiten Stammstrecke.

Die Ankündigung kam überraschend: Dass ausgerechnet die Münchner CSU nun laut über eine Pkw-Maut für die Innenstadt nachdenkt, zeigt, wie dringlich das Thema in der City inzwischen ist. Die alten Frontlinien zwischen Ökos und Bleifüßen sind längst aufgeweicht – alle leiden unter zu viel Stau und zu wenig Platz. Die Stadt schreit geradezu nach Lösungen für dieses Problem.

Doch einfach wird es nicht: Der Vorschlag der CSU mag eine Trendwende in der Debatte markieren, in der Praxis würde er kaum etwas bewirken. Die City-Maut auf den Altstadtring zu reduzieren, greift viel zu kurz: Die Sendlinger Straße ist längst Fußgängerzone, im Tal gibt es Pläne dafür. Und die Ferrari- und Porschefahrer auf der Maximilianstraße dürften über ein paar Euro Tagesgebühr müde lächeln. Nein, wer den Verkehr wirklich reduzieren will, müsste die Grenze am Mittleren Ring ziehen. Doch dazu fehlen die Voraussetzungen, der Öffentliche Nahverkehr stößt schon jetzt an Grenzen. Bevor die 2. Stammstrecke in Betrieb geht, bleibt eine Maut deshalb utopisch. Und selbst dann müssten das Netz dichter, der Takt enger und die Fahrkarten billiger werden. Die Maut hat nämlich auch eine soziale Komponente.

Zudem gilt es mit einem Missverständnis aufzuräumen: Die Münchner Straßen werden keineswegs nur von Fahrern aus dem Umland verstopft, sondern auch von Münchnern höchstselbst. 833.000 Fahrzeuge sind in der Stadt zugelassen, die Zunahme übersteigt das Wachstum der Stadt. Die Münchner wählen zwar gerne grün – mit der Verkehrswende nehmen sie es aber nicht so genau.

Schreiben Sie unserem Autor: Mike.Schier@ovb.net

Kommentare