China und Russland bei der Siko Das Selbstbewusstsein der anderen

China und Russland bei der Siko. Das Selbstbewusstsein der anderen .

MARCUS MÄCKLER

Sergej Lawrow gehört quasi zum Inventar der Münchner Sicherheitskonferenz. Seit Jahren gibt Russlands Außenminister zuverlässig den „bad guy“, den Schurken – auch diesmal zog er alle Register. Aber seine Rede, in der er wie gewohnt sehr frei mit der Wahrheit umging, wollte nicht so recht zünden. Ein anderer stahl ihm die Show: Chinas Außenminister Wang Yi.

Er war der höchstrangige Vertreter Pekings bei der Siko –und damit Projektionsfläche westlicher Ängste. Ziemlich unbeeindruckt von jeder Kritik hielt er seine Rede, die im Grunde auf eine Botschaft hinauslief: Niemand hält uns auf. Dass damit auch die technologische, politische, ideologische Unterwanderung des Westens gemeint ist, bestritt er zwar – aber es liegt auf der Hand: Chinas Machtanspruch wächst. Der nächste große Schritt könnte der 5G-Ausbau durch den Staatskonzern Huawei sein, dessen Handys jetzt schon geradezu sorglos gekauft werden. Die US-Delegation wies zurecht x-fach darauf hin – auch wenn die Glaubwürdigkeit Amerikas im Umgang mit Daten seit dem NSA-Skandal selbst erschüttert ist.

Es gibt kein Erkenntnisproblem, China war eines der dominierenden Themen der Siko. Dass Wang dennoch mit größtem Selbstbewusstsein auftreten konnte, ist auch der Beschäftigung des Westens mit sich selbst geschuldet. Gibt es ihn noch, hält er noch zusammen? Die Unsicherheit war spürbar. Dieser Westen, speziell Europa, hat China derzeit zu wenig entgegenzusetzen.

Marcus.Maeckler@ovb.net

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