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Meinung

Pro und Contra: Ist es eine gute Entscheidung, den Wolf zum Abschuss freizugeben?

Norbert Kotter und Dominik Göttler
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Pro- und Contra Wolfsabschuss: Norbert Kotter (li.), Dominik Göttler (re.)
  • Dominik Göttler
    VonDominik Göttler
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  • Norbert Kotter
    Norbert Kotter
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Die Regierung von Oberbayern gibt den Wolf, der für mehrere Risse in den Kreisen Berchtesgadener Land, Traunstein und Rosenheim verantwortlich ist, zum Abschuss frei. Ist die Entscheidung zu befürworten - oder abzulehnen?

Pro: „Im Raum steht eine nicht mehr auszuschließende Gefahr für den Menschen“

Von Norbert Kotter, Chef vom Dienst Print, Stellvertretender Redaktionsleiter OVB-Heimatzeitungen

Die Entscheidung der Regierung von Oberbayern, den durch den Chiemgau ziehenden Wolf mit dem Codenamen GW2425m zum Abschuss freizugeben, zeugt von Verantwortungsbewusstsein. Bei der Anordnung geht es um weit mehr als die Unversehrtheit eines Raubtieres mit einem besonderen Schutzstatus.

Im Raum steht eine nicht mehr auszuschließende Gefahr für den Menschen - das eindeutig schwerwiegendste Argument, welches die Abschusserlaubnis rechtfertigt. Man kann diesem Tier einfach nicht mehr guten Gewissens seine natürliche Scheu vor Menschen attestieren, wenn es auf der Suche nach Beute Siedlungsstrukturen nicht meidet, in einen Stall eindringt oder mitten auf einer Dorfstraße nachts durch das adventlich erleuchtete Bergen zieht. Es ist übrigens nicht der erste belegte Fall eines Wolfes, der offenbar keinerlei Berührungsängste mit der Zivilisation zeigt. Vor rund zehn Jahren erlegte ein solcher Beutegreifer in Bayrischzell Nutztiere in unmittelbarer Nähe einer Bushaltestelle, an der sich täglich Schulkinder einfinden.

Käme es zu einem Angriff auf den Menschen, stünde nicht nur im Chiemgau sofort die Frage im Raum, warum die zuständigen Behörden nicht rechtzeitig reagiert und durch geeignete Schutzmaßnahmen Leid verhindert haben. Dieses Risiko können und dürfen sie nicht eingehen.

Mit dem Bescheid droht dem Wolf als Tierart ja nicht die Ausrottung. Deshalb ist die Anordnung der Regierung eine vernünftige Einzelfallentscheidung, die konform mit dem Bundesnaturschutzgesetz geht. 

norbert.kotter@ovb.net

Contra: „Die Lösung kann nicht sein, jeden Wolf sofort abzuschießen“

Von Dominik Göttler, Chef vom Dienst Print, Stellvertretender Redaktionsleiter Merkur

Die Würfel sind gefallen, der Wolf im Chiemgau, Codename GW2425m, soll abgeschossen werden. Das hat die Regierung von Oberbayern nach fast zweimonatiger Beratung entschieden. Mit der Ausnahmegenehmigung solle eine Gefährdung von Menschen vermieden werden.

Nach allem, was bisher über den Chiemgauer Wolf bekannt wurde, kann man diese Begründung durchaus hinterfragen. Ja, der Wolf hat wiederholt Nutztiere gerissen. Und ja, der Wolf hat sich offenbar mehrfach Siedlungen genähert und ist nachweislich durch ein Dorf spaziert. Aber reicht das schon aus, um eine Gefahr für den Menschen nachzuweisen? Der Wolf habe seine Scheu verloren, argumentiert etwa Agrarministerin Michaela Kaniber. Dagegen spricht, dass er beim bislang einzig bekannt gewordenen Kontakt mit einem Menschen – im Offenstall eines Landwirts – sofort die Flucht ergriff. Nun muss wohl ein Gericht entscheiden, ob die Begründung stand hält.

Klar ist: Selbst wenn es zum Abschuss kommen sollte, wird das die Probleme der Landwirte nicht dauerhaft lösen. Denn der nächste Wolf kommt bestimmt, die Populationen in und um Bayern wachsen seit Jahren. Doch die Lösung kann nicht sein, jeden Wolf sofort abzuschießen, der den Weg über die Grenze findet. Das gibt die Gesetzeslage nicht her. Zumindest abseits der kaum einzäunbaren Almen muss das oberste Ziel der Herdenschutz sein. Sinnvoll wäre es deshalb, Tierhalter dabei bayernweit finanziell zu unterstützen – und nicht erst, wenn in ihrer Nähe ein Tier gerissen wurde.

Dominik.Goettler@merkur.de

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