Chef-Wahl – und GroKo-Bruch? Kramp-Karrenbauers Kampfansagen

Chef-Wahl – und GroKo-Bruch? Kramp-Karrenbauers Kampfansagen.

GEORG ANASTASIADIS

Am Wochenende ist die Corona-Panik in Europa angekommen – ungefähr zur selben Zeit, da Bundesinnenminister Horst Seehofer vor dem Virus des Rechtsextremismus als größter Gefahr für die innere Sicherheit in Deutschland warnte. Auf beides erwarten die verunsicherten Bürger überzeugende Antworten von der Politik. Im Falle der CDU werden sich die Wähler aber wohl noch eine Weile gedulden müssen: Die Partei steuert, so viel ist seit gestern klar, auf eine offene, womöglich zerstörerische Feldschlacht um die Merkel-Nachfolge zu.

Die Ankündigung, einen Parteitag am 25. April über den neuen Vorsitzenden abstimmen zu lassen, verband eine entschlossene Noch-Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer mit einer doppelten Kampfansage. Sie richtet sich zum einen an die CSU, deren Vorsitzendem Markus Söder nach etlichen Querschüssen jetzt kühl bedeutet wurde, dass er sich dem CDU-Votum auch hinsichtlich der Kanzlerkandidatur zu fügen habe; zum anderen an die SPD, der Kramp-Karrenbauer mit Koalitionsbruch drohte, falls sie die „Schmutzkampagne“ ihres Generalsekretärs Lars Klingbeil gegen die CDU (wegen deren angeblichem Flirt mit der AfD) fortsetze.

Gleich, ob am Ende Merz, Laschet, Spahn oder Röttgen siegreich aus dem seit gestern in voller Schärfe entbrannten Richtungskampf hervorgeht: An einem vorzeitigen Ende der GroKo dürften alle vier großes Interesse haben. Der Anti-Merkel-Kandidat Merz sowieso, aber auch der von seinen Gegnern als „Merkel 2.0“ apostrophierte Armin Laschet dürfte nach den bitteren Erfahrungen von Kramp-Karrenbauer wenig Neigung haben, noch lange unter der Kanzlerin weiterzuwursteln. Motive für eine vorzeitige Beendigung der GroKo gibt es zuhauf. Seit gestern kennen alle auch die Sollbruchstelle.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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