CDU-Vize ruft nach Schwarz-Grün Die Grünen treiben die Union vor sich her

CDU-Vize ruft nach Schwarz-Grün. Die Grünen treiben die Union vor sich her .

GEORG ANASTASIADIS

Die immer rebellischere CDU mag kein kreuzbraver Kanzlerwahlverein mehr sein, die Grünen sind es umso mehr: So viel Friede, Freude, Eierkuchen wie auf dem Bielefelder Bundesparteitag war noch nie bei der notorisch streitbaren Ökopartei. Der CDU ist vor ihrem eigenen Grusel-Parteitag der Schreck darüber offenbar so sehr in die Glieder gefahren, dass ihr Vize-Chef Thomas Strobl den Grünen sogleich Koalitionsavancen machte. So wie zuvor schon der zweite Mann der CSU, Manfred Weber.

Addiert man die Prozente zusammen, könnte es für die Union ja so kommen – oder, falls es für Grün-Rot-Rot reicht, sogar noch schlimmer. Trotzdem manövrieren sich CDU und CSU in eine strategische Falle, wenn sie sich jetzt den Grünen anbiedern. Noch immer gibt es unter den Unionswählern viele, denen selbst die angepassten Habeck-Grünen ein Graus sind und die sich rechtzeitig nach einer Alternative umsehen könnten. Gewählt wird nicht, wer sich am hurtigsten ein grünes Mäntelchen umhängt. Sondern, wer selbstbewusst für die eigenen Überzeugungen kämpft – falls er welche hat.

Österreichs Bald-Wieder-Kanzler Sebastian Kurz steuert gerade aus einer solchen Position der Stärke heraus auf Schwarz-Grün zu. Ihm ist zuzutrauen, dass er daraus einen Erfolg macht: indem er sein Markenzeichen einer strikten Linie in der Sicherheits- und Asylpolitik behält und sein Land mit dem neuen Partner ökologisch modernisiert. Die in der Merkel-Ära programmatisch entkernten deutschen C-Parteien hingegen suchen händeringend nach der Führungsfigur, die ihren Stammwählern die Furcht vor einem schwarz-grünen Bündnis nimmt, in dem die letzten Konturen einer bis zur Selbstaufgabe flexiblen Union zerfließen. Zuzutrauen wäre das am ehesten Friedrich Merz und Jens Spahn – jenen Kanzlerkandidaten, die das Merkel-Lager am vehementesten zu verhindern trachtet, weil  sie am klarsten den Bruch mit der versinkenden Ära verkörpern.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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