CDU-Bundesspitze blamiert Historisch in Thüringen GEORG ANASTASIADIS

CDU-Bundesspitze blamiert. Historisch in Thüringen.

GEORG ANASTASIADIS

Das darf man wohl kreuzfidel nennen: Angetreten ist die Thüringer CDU mit dem zentralen Wahlversprechen, weder mit den Rechts- noch mit den Linksradikalen zu paktieren. Beide Schwüre hat die Partei nacheinander gebrochen – und feiert das jetzt auch noch frech als „historischen Kompromiss“. Kein Wunder, dass die Bundespartei mit den Nerven runter ist. Die Frivolität ihrer Freunde in Erfurt blamiert nicht nur die CDU-Spitze (soweit man davon in der CDU noch reden kann). Sie ist, viel schlimmer, ein Konjunkturprogramm für die AfD. Gauland & Co. werden fortan um die Häuser ziehen und behaupten, dass, wer die prinzipienlose CDU wählt, am Ende die Linken kriegt.

Berlins CDU-Landeschef hat Recht: Das ist eine historische Dummheit. Damit sie ihre Abgeordnetendiäten ein paar Monate länger kassieren dürfen, verkaufen 21 Thüringer Provinzpolitiker die Seele ihrer Partei. Ermöglicht wurden die beispiellosen Vorgänge in der Landes-CDU allerdings erst durch den ebenso beispiellosen Autoritätsverfall der CDU-Bundesführung. Die zerstrittenen alten Machthaberinnen, Merkel und Kramp-Karrenbauer, wollen bzw. können kein Machtwort mehr sprechen; neue Führungsfiguren wie Friedrich Merz und Jens Spahn verurteilen das Erfurter Schmierenstück, haben aber noch nichts zu melden. Und Armin Laschet, der sich gern als neuer CDU-Chef handeln lässt, zieht es vor, zu einer für die Union existenziellen Frage ganz zu schweigen, so als ginge ihn der ganze Laden nichts an. Wenn sich die CDU noch lange Zeit lässt mit der Kür ihres Chefs und Kanzlerkandidaten (und mit Merkels Abschied!), kann sie’s auch ganz bleiben lassen. Weil dann eh andere den Kanzler stellen. Kein Wunder, dass der nette Herr Ramelow feixt. Der von Linken, Grünen und SPD gefeierte „Sieg der Demokraten“ ist der Untergang der bürgerlichen Mitte.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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