Bundesweite Bauernproteste Gefährliche Geringschätzung

Bundesweite Bauernproteste. Gefährliche Geringschätzung .

CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

Auf die Kundgebungen und Traktorkolonnen zorniger Bauern schauen weite Teile der Republik neugierig und distanziert. Mit einem Blick, als betrachte man ein seltenes Tier im Zoo hinter Glas. Diese Haltung ist gefährlich. Die Bauernproteste sind mehr als ein Ritual einer relativ kleinen Gruppe, sie sind ein Ausschnitt grundsätzlicher gesellschaftlicher Probleme unseres Landes.

Auf drei Ebenen stecken handfeste Konflikte. Es gibt die Sachfragen der Düngung, den Zielkonflikt Agrarwirtschaft/Grundwasser. Das kann und muss die Politik austarieren. Es ist völlig richtig, dass auch eine CSU nicht allen Bauern-Forderungen nachgibt. Da beginnt schon die politische Ebene: Viele Landwirte wenden sich von der Union ab. Wen Aiwanger nicht auffängt, der landet bei der AfD, also in der Totalverweigerung politischer Mitsprache und in radikaler Systemkritik. Gerade die Bauern, die auf politische Stützen und Steuergeld angewiesen sind (und es wegen ihrer Leistungen für Lebensmittelsicherheit und Landschaft auch einfordern dürfen), sollten besser wissen, dass sie da nicht gut aufgehoben sind.

Die dritte Ebene: Emotion. Die Bauern erleben im Alltag aus der Gesellschaft, für die sie produzieren, Unwissen, Desinteresse, teils Geringschätzung. Stadt und Land ziehen sich in unterschiedliche Welten zurück. So überzogen die Kritik mancher Landwirte ist, so verlogen ist das Verhalten vieler Kunden: Übers Düngen die Nase rümpfen, aber im Discounter Billigstfleisch kaufen – das passt nicht zusammen. Da gibt’s Parallelen zur Klimadebatte: Der ehrlichste, in der Summe hilfreichste erste Schritt ist das Überdenken des eigenen Konsumverhaltens.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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