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Die Bundeswehr wird 65: Unfreundliches Desinteresse

CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER
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CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER
  • Christian Deutschländer
    vonChristian Deutschländer
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Zum 65. Geburtstag der Bundeswehr diese Woche hat Bundespräsident Steinmeier einen klugen, aber traurigen Satz wiederholt. „Freundliches Desinteresse“ schlage der Truppe im eigenen Land entgegen.

Traurig daran ist, dass diese Analyse schon vom Vor-Vor-Vorgänger im Amt, Horst Köhler, stammt und sich nichts gebessert hat. Und dass sie untertrieben ist. Die Bundeswehr erfährt im eigenen Land auch Spott, Geringschätzung und – wie im Musterfall der radikalisierten Berliner Stadtteilpolitik, die Soldaten sogar als Büro-Helfer gegen Corona verteufelt – sogar Hass. Hinzu kommt eine Politik, die die Truppe personell und materiell geschwächt hat. Nicht die Verkleinerung war der Fehler, aber die Preisgabe der Wehrpflicht und die schlecht koordinierte Beschaffung.

Ein trister Truppen-Geburtstag also, aber dennoch kein hoffnungsloser. Zwei, drei Entwicklungen lassen aufhorchen. In der Politik mehren sich die Stimmen, die Investitionen zu steigern, ob man das nun Zwei-Prozent-Ziel nennt oder anders. Ein lang umkämpftes, aber sinnvolles Projekt dabei sind bewaffnete Drohnen für die Auslandseinsätze – gut und klug, dass die SPD ihre Meinung geändert hat. Gleichzeitig revitalisiert der Wechsel in den USA die Nato. Deutschland braucht eine kleinere, bündnisfähige Bundeswehr mit Spezialkenntnissen, die wie Puzzleteile zu Fähigkeiten anderer europäischer Armeen passen. Dieser Weg ist schon eingeschlagen, wird aber zu schleppend verfolgt.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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