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Kür der Kanzlerkandidaten 2021: Schwarzer K(r)ampf, grüne Disziplin

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Mike Schier
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    vonMike Schier
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Im Herbst 2021 sind Bundestagswahlen. Auch die Nachfolge im Kanzleramt wird dann geklärt. Grüne und Union werden Kandidaten ins Rennen schicken. Doch dabei zeigen sich Unterschiede in der Kür.

Unterschiedlicher könnten die politischen Welten derzeit nicht sein: In der Union ringen zwei Vollblutpolitiker mit nicht für möglich gehaltenem Starrsinn um die Macht. Laschet und Söder, die eigentlich vom ewigen Corona-Kampf längst zermürbt sein müssten, beweisen dabei erstaunliche Kräfte. Ihrer Verbissenheit treten die Grünen mit geradezu demonstrativer Leichtigkeit gegenüber. Schon klar, die schönen Bilder von Baerbock und Habeck sind so sorgsam inszeniert wie ein Rosamunde-Pilcher-Film. Aber anders als bei ihren konservativen Konkurrenten kann man sich beim Grünen-Duo vorstellen, dass es auch noch ein Leben jenseits der Politik führt. Familie, Freunde, Hobbys und so. Nach 16 nüchternen Merkel-Jahren strahlt das Charme aus.

Der Grund für die grüne Disziplin

Heute treibt die K-Frage in beiden Lagern ihrem Höhepunkt zu. Fast verzweifelt versuchen sie in der Union, die grüne Ruhe als Mangel von Basisbeteiligung anzuprangern. Unsinn! Bei den Grünen herrscht nur deshalb so große Disziplin, weil alle die Chance wittern, bald in die Regierung zu kommen. Mehr Abgeordnete, Minister- und Staatssekretärsposten – da hütet man seine Zunge lieber. In der Union, vor allem der CDU, verhält es sich genau umgekehrt. Der große Zuspruch für Söder aus den hinteren Reihen der Fraktion speist sich meist aus der Sorge, das schöne Büro am Spreeufer räumen zu müssen.

Eine, die sicher auszieht, schweigt derweil weiter. Dass sich Angela Merkel nicht positioniert, überrascht nicht. Mehr dagegen, dass sie nicht einmal vermittelt. So wird die Selbstzerfleischung der Union auch zu ihrem Erbe.

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