Meinung

Im anstehenden Bundestagswahlkampf müssen Parteien neue, digitale Formate entwickeln

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  • Christian Deutschländer
    vonChristian Deutschländer
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In Zeiten von Corona müssen Parteien anders Wähler erreichen als bisher. „Digitale Hinterzimmer“ sind nicht der richtige Weg.

Leider kommen Eingebungen – göttliche oder auch nur irdische aus der Staatskanzlei – oft in letzter Minute. Zu Recht, aber zu spät hat die Münchner CSU deshalb ihren Präsenz-Parteitag abgesagt. Das virologische Risiko schien den Veranstaltern subjektiv begrenzbar; das politische hatten sie unterschätzt. Die Lockdown-müde Bevölkerung stutzt, wenn Parteien für ihre Treffen geltende Sonderrechte nutzen. Zwei Ehepaare dürfen sich nicht draußen sehen, aber 90 Delegierte im Saal? Das ist schräg.

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Basisdemokratie und die digitale Welt

Die vorgezogene Wahl auf dem Münchner Parteitag war verzichtbar. Schwieriger werden die Abwägungen, die jetzt auf alle Parteien zurollen: In Kürze müssen die Kandidaten für den Bundestag gewählt werden. Berechtigte Sorgen prallen aufeinander: (Basis-)Demokratie darf sich nicht nur noch in die virtuelle Welt verkriechen. Auch der Chatroom ist ein Hinterzimmer.

Sobald Posten und Mandate vergeben werden, verändert sich das Wahlverhalten natürlich, wenn sich Kandidaten nicht mehr real vorstellen können und rein digital abgestimmt wird. Das wirkt sich stärker aus als jedes 20-minütige Schwafel-Grußwort. Die Parteien werden Mut brauchen: draußen tagen, hybride Formate, Innovation. Das ist mühsam, ja – aber versehentlich eine Corona-Infektionskette in Gang zu setzen, wäre politisch ein unverzeihlicher Fehler.

Schreiben Sie unserem Autor: Christian.Deutschlaender@ovb.net

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