Buhlen um den Sandalentouristen

Südtiroler Bergprojekt. DIRK WALTER.

So, so – die Grawand, ein stattlicher 3000er in Südtirol, heißt künftig also „Iceman Ötzi Peak“. Manchen Touristikern ist beim Buhlen um zahlungskräftige Klientel jedes Mittel recht, da macht man nicht einmal vor der Umbenennung der Berge Halt. Darüber könnte man noch lachen. Schlimmer ist, dass ein Berggipfel durch eine Aussichtsplattform so verbaut wird. Südtiroler Bergbau mal anders. Nun gut, die Grawand ziert eh schon eine Gletscherbahn-Bergstation und ein Hotel. Aber trotzdem: Das noch mit der Plattform zu krönen, ist – Achtung Wortspiel – der Gipfel! Es muss jedem vernünftig denkenden Bergfreund ein Graus sein. Das Argument, man wolle halt auch dem Sandalentouristen ein hochalpines Lebensgefühl bescheren, zieht sicher nicht. Diese Art Sommergast hat schon genügend Bergbahnen zur Auswahl, mit denen er sich sicher in die Höhe begeben kann.

Nein, den Südtirolern im Schnalstal geht es schlicht um die Vermarktung von Ötzi, dem Mann aus dem Eis. Am liebsten würden sie dem Gletscherfund wohl noch eine Frau andichten, damit das Geschäft flutscht. Aber egal: Der Ötzi Peak ist ja auch nur ein (sicher extremes) Beispiel für einen schier unaufhaltsamen Trend: Es geht um Geld, Vermarktung, Tourismuspotenziale. Die Berge ziehen jedes Jahr mehr Menschen an. Bergbahnen werden modernisiert, Kapazitäten erhöht (siehe Zugspitze) – und dann wundert sich mancher über die Verstopfung von Straßen und Wandergebieten. Von nichts kommt nichts.

Dirk.Walter@ovb.net

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