Briten wählen neues Parlament Brexit-Rückgabe an das Volk

Briten wählen neues Parlament. Brexit-Rückgabe an das Volk .

ALEXANDER WEBER

Endlich!, werden gestern Millionen Briten, aber auch Kontinentaleuropäer aufgeatmet haben, als sich die Nachricht von Neuwahlen in London verbreitete. Mit der Entscheidung des Unterhauses für den Urnengang im Dezember kommt nach drei Jahren politischen Stellungskriegs zumindest Hoffnung auf Bewegung im Brexit-Drama auf. Die Frage ist nur: In welche Richtung?

Premierminister Boris Johnson hat ein wichtiges Etappenziel erreicht. Bisher ist er nur von den Tory-Mitgliedern ins Amt gehievt worden und hat im Parlament eine beispiellose Niederlagenserie hingelegt. Jetzt hat er die Chance, seine Popularität im Volk in eine Regierungsmehrheit umzumünzen. Es darf als gesetzt gelten, dass Boris dabei das Florett zuhause lässt und lieber mit der Hellebarde auf seine politischen Gegner losgehen wird.

Neben den wackeren Liberalen und Schotten könnte das pro-europäische Lager Unterstützung von Labour gut gebrauchen. Doch deren Chef, der Altlinke Jeremy Corbyn, taugt mit seinem Brexit-Wackelkurs nur für taktische Scharmützel, nicht aber strategische Schlachten. Wieder einmal wünscht man sich Helmut Schmidt zurück: Der SPD-Kanzler eilte im November 1974 zum Labour-Parteitag, als die Arbeiterpartei schon einmal mit einem EU-Austritt liebäugelte, um sie zum Bleiben zu bewegen. Als ob er die Heilsarmee von den Vorzügen des Trinkens überzeugen müsste, spottete Schmidt damals über seine Genossen. Aber er hatte Erfolg. Die Briten blieben.

Alexander.Weber@ovb.net

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