Die Briten verlassen die EU Bye-bye mit großem Bedauern

Die Briten verlassen die EU. Bye-bye mit großem Bedauern .

ALEXANDER WEBER

Egal, wie man inhaltlich zum Brexit steht – dieser 31. Januar 2020 stellt eine historische Zäsur in Europa dar. Mit den Briten verlässt zum ersten Mal in der Geschichte der EU (früher EWG und EG) ein Mitgliedstaat aus freien Stücken die Union. Und in den kommenden Monaten werden die Weichen dafür gestellt, wie dieses Experiment ausgehen wird: als Erfolgsmodell für jene, die das Projekt Europa wieder auf eine hauptsächlich wirtschaftliche Kooperationsebene zurückführen wollen – oder als historischer Fehler, der im Rückzug auf das nationale Klein-Klein die falsche Antwort auf den globalen Konkurrenzkampf mit den großen Machtzentren gibt.

Schon jetzt ist der Abschied der Briten für Europa, vor allem aber auch für uns Deutsche, bedauerlich. Mag so mancher Premierminister (ganz zu schweigen von der Eisernen Lady) mit seinen Sonderwünschen die EU-Partner auf Gipfeltreffen zur Weißglut getrieben haben – in vielerlei Hinsicht war der britische Pfeiler für die innere Balance der Europäischen Union wichtig. Gegen die nun gestärkte Mittelmeerfraktion in der 27er-EU wird Berlin es künftig ohne die pragmatischen Partner aus London schwerer haben. Und die Regierung in London wird darauf achten müssen, dass das Abspaltungs-Virus von der EU nicht auf das Vereinigte Königreich übergreift. In Schottland werden die Europaflaggen besonders inbrünstig gehisst. . .

Die nun beginnenden Verhandlungen zwischen London und Brüssel stehen vor einer doppelten Herausforderung: Sie sollen eine enge Partnerschaft über den Ärmelkanal ermöglichen, ohne als attraktive Blaupause für andere Abtrünnige in Europa zu dienen. Große Autokonzerne und viele kleine Unternehmen in Bayern werden die Gespräche bis zum Jahresende gebannt verfolgen.

Alexander Weber@ovb.net

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