Brexit-Drama kein Grund für Schadenfreude Mays Not, Merkels Problem

Brexit-Drama kein Grund für Schadenfreude. Mays Not, Merkels Problem .

GEORG ANASTASIADIS

Jetzt will London den Brexit also verschieben, weil an der Themse weder für Theresa Mays „Deal“ noch für einen „hard Brexit“ parlamentarische Mehrheiten in Sicht sind. Und je verzweifelter die Premierministerin und Britanniens „Brexiteers“ im Netz ihrer unerfüllbaren Versprechungen zappeln, desto schwerer fällt es den Rest-Europäern, ihre Schadenfreude zu verbergen. Doch Vorsicht: Auch ihnen wird, wenn das Theater noch lange weitergeht, das Lächeln noch vergehen.

Denn während Europa damit beschäftigt ist, sich selbst zu zerlegen – auch zwischen Frankreich und Italien und Ungarn und Brüssel knirscht es ja immer lauter – werden anderswo auf der Welt Fakten geschaffen. US-Präsident Donald Trump steht kurz vor einem Sieg im Handelskonflikt mit China. Für die EU ist das nur auf den ersten Blick eine gute Nachricht. Denn der Herr im Weißen Haus wird, wenn das Kapitel China abgehakt ist, keine Sekunde zögern, sich gestärkt dem nächsten Gegner zuzuwenden – und der heißt Deutschland.

Dessen Kanzlerin badete nach ihrer temperamentvollen Anti-Trump-Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz noch im Beifall der anwesenden Politiker und Diplomaten. Doch wer Trump kennt, der weiß, dass ihn das nur noch mehr anspornt, Europas vorlaute Führungsmacht anzugreifen. Die angedrohten US-Zölle sind für das Land, in dem Millionen Jobs von den Autoexporten abhängen, eine ernste Bedrohung. Die Kanzlerin hätte angesichts der amerikanischen Drohungen, des deutschen Null-Wachstums und weiterer Herausforderungen der heimischen Wirtschaft (wie dem teuren Atom- und Kohleausstieg) eigentlich allen Grund, das Brexit-Problem lösen zu helfen. Denn danach wird’s erst richtig ungemütlich. Aber vielleicht ist das dann nicht mehr Merkels Problem.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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