BR-Symphonieorchester Vorfreude in der Krise MARKUS THIEL

BR-Symphonieorchester. Vorfreude in der Krise .

MARKUS THIEL

Vielleicht ist es frivol, daran zu denken – jetzt, wo das Kulturleben eine Vollbremsung hinlegen musste. Doch wird es auch hier eine Zeit nach Corona geben. Und noch frivoler mag es sein, sich angesichts vieler freier Künstler, die vor dem Ruin stehen, mit den bestens ausgestatteten Supertankern zu befassen. Auch deren Zukunft allerdings ist essenziell, gerade weil sie eine der stärksten, publikumsträchtigsten Säulen der Kulturszene sind.

Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks macht jedenfalls vieles richtig. Wer hoffte, einer der weltweit wichtigsten Klangkörper könne schon jetzt einen künftigen Chef-Namen fallen lassen, mag enttäuscht sein. Man gönnt sich Zeit – auch, weil diejenigen, nach denen man schielt, anderweitige Verpflichtungen haben. Das Ensemble wird nach dem Tod von Mariss Jansons eine kopflose Phase überstehen, so lange man wie jetzt solche hochkarätigen Gaststars verpflichten kann.

Genauso richtig ist es, das Mantra für das neue Konzerthaus fortzusetzen. Mag sich die Realisierung angesichts der jetzigen Wirtschaftslage verzögern – es wäre ein schlechter Witz, nach all den Planungen, Wettbewerben und Verträgen die Sache auf Eis zu legen. Gerade nach schweren Krisen suchen die Menschen ihr Heil in der Kultur. Da kann ein solches Projekt mit internationaler Ausstrahlung – etwas also, das zum Selbstverständnis des Freistaats gehört – sogar Vorfreude wecken.

Markus.Thiel@ovb.net

Kommentare