Boris Palmer droht Parteiausschluss Die grünen Sensibelchen

Boris Palmer droht Parteiausschluss. Die grünen Sensibelchen .

ALEXANDER WEBER

„Wir retten in Deutschland möglicherweise Menschen, die in einem halben Jahr sowieso tot wären.“ Mit diesem Satz zur Verhältnismäßigkeit der Einschränkungen in der Corona-Krise hat Boris Palmer einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Nicht, weil die Feststellung in jedem einzelnen Fall faktisch falsch wäre, sondern weil aus ihm eine Kaltherzigkeit gegenüber älteren Menschen spricht, die einen frieren lässt. Die Grünen im „Ländle“ beraten deshalb sogar darüber, ob sie den Tübinger Oberbürgermeister aus ihrer Partei ausschließen wollen.

Mit Ausschlussverfahren ist das so eine Sache. Erstens kann sich ein solcher Prozess quälend lange hinziehen – siehe die leidvolle Erfahrung der Sozialdemokraten mit ihrem Thilo Sarrazin –, und zweitens müssen sich Volksparteien (die Grünen sind ja fast eine) fragen, wie eng sie den Meinungskorridor innerhalb der Partei ziehen wollen. Wenn jeder, der einmal übers Ziel hinausschießt, gleich mit Rausschmiss zu rechnen hat, darf man sich nicht wundern, wenn, statt Meinungsvielfalt und Diskussionsbereitschaft, Stromlinienförmigkeit und Profillosigkeit dominieren. Palmer hat sich immerhin für seinen Satz entschuldigt. Oder sind die Grünen, die als Fundis oder Realos früher so heftig miteinander stritten, dass sogar Farbbeutel als Wurfgeschosse zum Einsatz kamen, unter Robert Habeck solche Sensibelchen geworden, die keinen Meinungsstreit mehr aushalten?

Alexander.Weber@ovb.net

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